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Opernrarität: „Tolomeo, re d’Egitto“ von Georg Friedrich Händel – Staatstheater Karlsruhe – 2020

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Verlustangst unter Quallen  – Staatstheater Karlsruhe zeigt bei den 43. Händelfestspielen die selten gespielte Oper „Tolomeo, re d’Egitto“ –  von Klaus J. Loderer Quallen finden sich eher selten in Bühnenbildern. In Karlsruhe schweben sie in Massen und leuchtend wie Lampions in einem Raum, der gerade abgesoffen ist und durch dessen große Fenster man nun ein wilde Unterwasservegetation sieht. Dachte man vorher beim Blick durch die Fenster auf das Wasser an eine Villa am Meer, in dem mit schönem Abendrot vor der Pause die Sonne unter- und nach der Pause wieder aufgeht, könnte es sich während des entfesselten Sturms mit immer höher schlagenden Wellen um ein untergehendes Schiff zu handeln. Für das glückliche Ende ist dann wieder alles in Ordnung. Dann kann Tolomeo seine Seleuce in die Arme schließen. Was mit den drei anderen Personen passiert, das bleibt offen. „Tolomeo“ im Staatstheater Karlsruhe: Jakub Józef Orliński (Tolomeo) und Louise Kemény (Seleuce) Foto:...

Opernkritik: Händels Oratorium „Semele“ als Opernkrimi – Komische Oper Berlin

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Das Geheimnis des offenen Kamins  – Georg Friedrich Händels Oratorium „Semele“ szenisch an der Komischen Oper Berlin –  von Klaus J. Loderer Der ausgebrannte Innenraum und der Aschehaufen deuten in Händels Oratorium „Semele“ an der Komischen Oper Berlin schon zu Beginn der Oper an, wie die Geschichte ausgehen wird. In dem düsteren Raum erleben wir als Rückblick die Geschichte, angelegt wie ein Krimi. Semele wird am Ende verglühen, wenn Jupiter ihren Wunsch erfüllt, sich ihr in wahrer Gestalt zu zeigen. Regisseur Barrie Koskys, der die Inszenierung 2018 kurzfristig von der erkrankten Laura Scozzi übernommen hat, zeigt die Machtgier von Juno und Semele deutlich. So hat man wenig Mitleid mit der Junos Intrige zum Opfer fallenden Semele. Eher bedauert man das gemütliche Dickerchen Jupiter, von solchen Frauen umgeben zu sein. Als Jupiter ist der englische Tenor Stuart Jackson, der die Rolle von Alan Clayton übernommen hat, zu erleben. Eindrücklich moduliert er mit den Stim...

Opernkritik: Händels Oratorium „Der Messias“ szenisch – Staatstheater am Gärtnerplatz München – 2019

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Zum Halleluja regnet es Geldscheine  – Torsten Fischer inszeniert Händels Oratorium „Der Messias“ am Staatstheater am Gärtnerplatz in München –  von Klaus J. Loderer Geldscheine regnen auf die Bühne, wenn der Chor die berühmteste Passage aus Georg Friedrich Händels „Der Messias“ anstimmt. Ist das der König der Könige, der Herr der Herren, wie es im Text heißt? Regisseur Torsten Fischer illustriert das Oratorium in der szenischen Produktion des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München nicht einfach mit biblischen Motiven. Einerseits abstrahiert er die Geschichte, andererseits versieht er sie mit einem allgemeineren und zeitlosen Inhalt. Entsprechend hätte ein realistisches Bühnenbild nicht gepasst. So schafft Bühnenbildner Herbert Schäfer einen nach hinten ansteigend gestuften Neutralraum. Um die vor allem durch das Ballett verdeutlichte Handlung zu verdeutlichen oder erst einmal zu schaffen, erhalten die Sänger Namen: zwei Politiker, ihre Frauen und ein Fremder. Auße...

Opernkritik: „Serse“ (Xerxes) – Badisches Staatstheater Karlsruhe – 2019

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King of Bling – Popshow statt Schlachtengetümmel  – Franco Fagioli und Max Emanuel Cencic als Stars von Händels kurzweilig inszenierter Oper „Serse“ (Xerxes) bei den 42. Händelfestspielen in Karlsruhe –  von Klaus J. Loderer Erobert werden sollen in dieser Inszenierung nicht fremde Länder sondern Fans. Und die jubeln fleißig, wenn der King of Bling auf die Bühne kommt. Liberace mit seinen fantasievollen Kostümierungen stand Pate für diesen Popstar, zu dem der antike persische Feldherr und König Xerxes bei den 42. Händelfestspielen in Karlsruhe wurde. Serse heißt er in Händels gleichnamiger Opernfassung, sicherlich eine der bekanntesten Opern des Barockkomponisten und in dieser Saison in einigen Theatern auf dem Spielplan. Da muss man schon mit einer spektakulären Produktion aufwarten. Die bietet Karlsruhe schon durch die Sänger, indem man zwei der besten Countertenöre verpflichtete: Franco Fagioli und Max Emanuel Cencic. Schon diese beiden sorgen für eine entsprechend...

Opernkritik: René Jacobs rekonstruiert Händels „Teseo“ im Theater an der Wien – 2018

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Riesenhände greifen nach Agilea  – René Jacobs rekonstruiert Händels Theseus-Oper „Teseo“ im Theater an der Wien –  von Klaus J. Loderer  Bei Theseus denkt der Philologe an den antiken Helden, der den Minotauros bekämpft, der Opernfreund an Ariadne, deren roter Faden ihm durch das Labyrinth hilft und die er schließlich auf der Insel Naxos absetzt, der Theaterfreund an seine Frau Phädra, die mit falscher Beschuldigung dafür sorgt, dass er seinen Sohn zu Tode bringt. Der Kunstfreund hat die Skulptur Canovas vor Augen, wie Theseus den Kentaur erschlägt. Um diese Stoffe geht es in Händels Oper „Teseo“ allerdings nicht. Im Mythos hat Theseus ja auch eine etwas komplizierte Herkunft. Jedenfalls kennt der Vater, König Aigeus (Egeo) von Athen, seinen Sohn nicht. In der Oper, für deren Libretto Nicolo Francesco Haym den Text von Philippe Quinaults zur Lully-Oper „Thésée“ aus dem Französischen ins Italienische übertrug, ist das dramaturgisch so zugespitzt, dass Theseus dem...

Opernrarität: Händels „Berenice, regina d’Egitto“ – Oper Halle – 2018

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Welch schöne Selfies hätte die Barockdame gemacht  – Jochen Biganzoli treibt in seiner Inszenierung von Händels „Berenice, regina d’Egitto“ in Halle Selfies und moderne Medien auf die Spitze und Soprano Samuel Mariño überrascht –  von Klaus J. Loderer Nun haben meine liebe Händelopernfreundin Sabine und ich völlig vergessen, beim Besuch von Händels Berenice in Halle an der Saale ein Selfie zu machen. Man wäre beim Schlussapplaus auf die Bühne gestürzt und hätte das Selfie dann gleich zusammen mit den Sängern gemacht. Das Publikum hätte das als Teil der Inszenierung gewertet, denn auch die Sänger fotografierten sich einzeln oder zusammen am Schluss schnell noch mit ihren Telefonen. Und ganz zum Schluss machte dann sogar noch Dirigent Jörg Halubek ein Erinnerungsfoto. Filippo Mineccia (Demetrio), Samuel Mariño (Alessandro), Robert Sellier (Fabio), Franziska Gottwald (Arsace), KS. Romelia Lichtenstein (Berenice),  Ki-Hyu...

Opernkritik: Georg Friedrich Händels „Alcina“ – Theater an der Wien – 2018

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Alcina lässt Blumen erblühen in der Wüste  – Tajana Gürbaca inszeniert Händels „Alcina“ am Theater an der Wien –  von Klaus J. Loderer Eine Insel ist das Reich Alcinas hier nicht, eher eine Wüste. Wüst sind die Hügelchen auf der Bühne und ebenso ist es die auf den Rundhorizont gemalte Landschaft. Man ist gespannt, was sich in diesem von Katrin Lea Tag im Theater an der Wien gestaltetem Arrangement für Händels „Alcina“ tun wird. Es schwebt schon bald eine Art Flower-Power-Gesellschaft mit einer Alcina im rosa-hellblau quergezickzackten Ballon-Rock herein. Eine interessante Alternative zur Krinoline hat sich Katrin Lea Tag, von der auch die Kostüme sind, ausgedacht. Das erinnert an die Kleidung des 19. Jahrhunderts. Auf diese Zeit verweist auch das Detail mit einem älteren Herren, einem Fabrikbesitzer, wohl der Vater Ruggieros, der auf die Rückkehr des Sohns wartet. Die sich drehende Bühne mit den kleinen Hügelchen bietet geschickte Möglichkeiten für Auftritte und Abgän...

Premierenkritik: „Alcina“ eröffnet 41. Internationale Händelfestspiele Karlsruhe – Badisches Staatstheater – 2018

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Alcina verzaubert alle  Jubelstürme bei der Premiere zu Händels Oper „Alcina“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe  – von Klaus J. Loderer – Sie verzaubert alle, diese „Alcina“. Zum Felsblock versteinert ist das Publikum im Badischen Staatstheater Karlsruhe und schaut gebannt auf die Bühne. Bis es am Ende zum tosenden Meer wird und mit Beifallsstürmen die Premiere feiert. Irgendwie ist die Produktion zauberhaft und nimmt gefangen. Doch wir werden nicht mit Bühnenprunk geblendet sondern mit Schlichtheit gefangen genommen und in eine sinnliche Welt entführt. Dabei hat sicherlich die Gestaltung des Lichts durch Macmoc Design einen maßgeblichen Anteil. Es strahlt manchmal sanft von hinten durch die einen dichten Wald bildenden, von der Decke hängenden Stoffschläuche, die den Durchgang zwischen den beiden Wänden, die den Spielraum einfassen, schließen und doch auf mystische Weise den Eingang zum Palast der Zauberin Alcina öffnen. Das Licht scheint zu Anfang warm a...

Doch wo ist die Inszenierung? „Jephtha“ von Georg Friedrich Händel – Staatstheater Wiesbaden – 2018

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Doch wo ist die Inszenierung?  Achim Freyer bekleckst Händels „Jephtha“ am Staatstheater Wiesbaden  von Franz Meyer Seit Jahrzehnten macht sich der bekannte Künstler Achim Freyer an großen Opernwerken zu schaffen. Doch wer schon einmal eine Freyersche Bearbeitung  gesehen hat, der hat sie alle gesehen, denn es ist eigentlich immer das gleiche. Es ist schon erstaunlich, wie man Starruhm mit einer Einheitsinszenierung erlangen kann. Es bewegt sich wenig, bestenfalls gar nichts, alle Protagonisten stehen irgendwo herum, im aktuellen Fall auf Kistchen, diesmal fuchtelt man mal wieder mit Stöckchen herum. All das hat man schon mehrfach gesehen. Das Bühnenbild, der große Künstler ist natürlich auch dafür verantwortlich, besteht aus einem bemalten Rückprospekt und bemalten Kistchen. Malen möchte ich es vielleicht doch eher nicht nennen, denn (auch wie üblich) es sieht eher nach infantil hässlichem Kindergarten-Gekritzel aus. Das singende Personal ist ähnl...