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Es werden Posts vom Juli, 2018 angezeigt.

Historische Theater: Opéra de Reims

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Opéra de Reims – Das Grand Théâtre entstand nach dem Ersten Weltkrieg neu – Die Oper von Reims spielt im 1873 eröffneten Grand Théâtre. Architekt war Alphonse Gosse. Zu seinen Werken gehört auch die Kirche Sainte-Clothilde in Reims. Das äußere Erscheinungsbild im Stil der Neorenaissance erinnert in einigen Motiven an Pariser Theater, nicht zuletzt an die Pariser Oper, die in vereinfachter Weise zitiert wird. Die letzte Vorstellung fand am 14. Juli 1914 statt, im September brannte das Theater nach dem deutschen Beschuss der Stadt aus. Beim Wiederaufbau blieb die äußere Hülle erhalten. Die innere Struktur wurde neu geschaffen. Die Architekten François Maille und Louis Rollier entwarfen eine Ausstattung im Art Déco Stil. Die Wiedereröffnung erfolgte 1931. 2010 wurde das Theater in Opéra de Reims umbenannt.
kjl




Buchbesprechung: Verschwundene Welt der Brünner Cafés

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Brünner Moderne ist nicht nur das Haus Tugendhat – Bildband mit alten Fotos von Cafés und Kaffeehäusern in Brünn (Brno) – von Klaus J. Loderer
Die Verbindung des Stichworts „Moderne“ mit dem Stadtnamen Brünn (Brno) lassen alle architekturgeschichtlich beflissenen Menschen sofort an das Haus Tugendhat von Ludwig Mies van der Rohe denken. Dass es eigentlich gar nicht so erstaunlich ist, dass gerade in dieser Stadt eine moderne Villa entstanden ist, liegt daran, dass die Stadt in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen viel moderner war, als man sich das heute vorstellt. Auch in der Innenstadt mit ihren barocken und historistischen Bauten wurden viele avantgardistische Gebäude errichtet. Das zeigt eindrücklich ein Bildband mit alten Fotos von Brünn, der eigentlich ein ganz anderes Thema hat. Es geht in diesem Buch um alte Cafés. Das es in Brünn früher eine große Anzahl von Cafés und Kaffeehäusern gab, ist nicht erstaunlich, das war typisch für die Städte der Donaumonarchie. Über die groß…

Premierenkritik: Haydns Oper „Orlando paladino“ im Prinzregententheater (Münchner Opernfestspiele) – 2018

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Wenn der Film das Kino zerlegt – Festspielpremiere der Bayerischen Staatsoper: spannendes Theater bei Joseph Haydns heroisch-komischer Oper „Orlando paladino“ im Prinzregententheater München – von Klaus J. Loderer
Wie ein Film auf ein Kino übergreift und es letztlich geradezu einsaugt, kann man in witziger Weise in der Neuproduktion von Joseph Haydns „Orlando paladino“ sehen, die im Rahmen der Münchner Opernfestspiele der Bayerischen Staatsoper im Prinzregententheater in München Premiere hatte. Regisseur Axel Ranisch hat die schon im Libretto von Nunziato Porta verwickelte Handlung noch etwas komplizierter gemacht und um zwei weitere Personen ergänzt, über die sich gewissermaßen die Opernhandlung ergießt. Es handelt sich zwar eigentlich um ein Ritterstück nach Ariosts „Orlando furioso“ (Der rasende Roland), das zur Zeit Karls des Großen spielt, doch ist bei Haydns „Orlando paladino“ (Ritter Roland) die Gattungsbezeichnung eroico (heroisch) noch um ein comico (komisch) erweitert, wesweg…

„Oberst Chabert“ von H. W. v. Waltershausen – Mark Morouse singt Titelrolle in Opernrarität an der Oper Bonn – 2018

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„Einst tot unter den Toten, nun tot unter den Lebenden“– „Oberst Chabert“, eine beklemmende Musiktragödie von Hermann Wolfgang von Waltershausen an der Oper Bonn – von Klaus J. Loderer
Es ist eine berührende Rolle, die Mark Morouse an der Oper Bonn als Graf Chabert verkörpert. Es ist die Geschichte eines Offiziers, der nach einer Schlacht lebendig begraben wird, sich aus dem Grab herausbuddeln kann, im Irrenhaus landet und dann verzweifelt um die Anerkennung daheim kämpft. Bühnenbildner David Hohmann hat dafür ein klaustrophobes Bild eines eingestürzten Bauwerks geschaffen. Durch die dauerhafte Anwesenheit von Mark Morouse auf der Bühne konzentriert Regisseur Roland Schwab die Handlung in Bonn noch mehr auf die Titelfigur. Es ist nicht nur die Verzweiflung der Hauptfigur, sondern auch die Liebe zu seiner ihn verleugnenden Ehefrau, die Morouse mit starkem Bariton und auch sanften Tönen zum Ausdruck bringt.

„Einst tot unter den Toten, nun tot unter den Lebenden“ ist auf dem heruntergelass…

Opernrarität: Komische Oper „Casanova“ von Albert Lortzing – Musikalische Komödie Leipzig – 2018

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Venezianische Charade – Albert Lortzings komische Oper „Casanova“ an der Musikalischen Komödie Leipzig – von Klaus J. Loderer
Die Handlung spielt in Venedig. Das ist schon durch das Bild auf dem Bühnenvorhang unverkennbar. Und auch die ganze Inszenierung entführt nach Venedig. Dazu hat Bühnenbildnerin Beate Zoff eine der typischen Brücken auf die Bühne gestellt und sogar Motive des Dogenpalasts verarbeitet. Obwohl. Ja obwohl doch das Stück gar nicht in Kernvenedig spielt. Der Dogenpalast passt insofern nicht so ganz. Aber lassen wir die Spitzfindigkeit und nehmen wir das als hübsche Venedig-Collage hin. Und schön sieht das zweifelsohne aus mit den venezianischen Arakaden zur Linken, Kanal und Brücke in der Mitte und einem Plätzchen zur Rechten. So präsentiert die Musikalische Komödie Leipzig den ersten Akt von Albert Lortzings komischer Oper „Casanova“ und hat damit wieder einmal eine interessante Ausgrabung in der reichen verschütteten Welt des musikalischen Lustspiels gemacht.

Lortzin…

Buchbesprechung: Operaen – das Opernhaus in Oslo

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Ein Eisberg im Hafen – Schöner Bildband über das Opernhaus in Oslo – von Klaus J. Loderer
Wie ein Eisberg ragt das vom norwegischen Architekturbüro Snøhetta entworfene Opernhaus von Oslo markant aus dem Wasser auf. Dieser Effekt stellt sich zumindest vom Wasser ein. Allerdings rücken dem bisher freistehenden Bauwerk nun Neubauten wie die Stadtbibliothek und das Munchmuseum, die beide noch im Bau sind, auf den Leib. Nach der Eröffnung 2008 erschien auch ein großformatiger Bildband, der das Gebäude vorstellt. Darin findet man neben zahlreichen Fotos zum Gebäude, zur Baustelle, der Eröffnungsfeier und der ersten Tätigkeiten der Opernmitarbeiter im Gebäude auch die Pläne.
Während man mit dem Bau des Opernhauses sogar früher fertig war als geplant – die Eröffnung fand fünf Monate früher als vorgesehen statt – hatte der Bau eines neuen Opernhauses allerdings eine sich einige Jahrzehnte hinziehende Vorgeschichte. Zeitweilig war auch das Gelände des ehemaligen Westbahnhofs im Gespräch, hinter d…

Opernkritik: „Salome“ von Richard Strauss – Aalto-Musiktheater Essen – 2018

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The same procedure as last year – the same procedure as every year – Mariame Clément inszeniert eine bestürzende „Salome“ im Aalto-Musiktheater in Essen – von Klaus J. Loderer 
Sie ist bestürzend, diese Salome-Produktion. Sie ist bestürzend deutlich, weil uns Regisseurin Mariame Clément direkt darauf stößt, was sonst in dieser Oper eher untergeht. Schon Oscar Wildes Text macht deutlich, dass alle möglichen Männer lüsterne Blicke auf das Mädchen Salome richten. Dass Salome das bei Narraboth und Herodes ausnutzt, um ihre Ziele zu erreichen, ist eine andere Sache. Doch Mariame Clément liest den Text anders. Und es ist bestürzend, wie anders man den Schleiertanz interpretieren kann. In Cléments Leseweise der Musik gefriert einem der Blick. Sie sieht darin nicht ein erotisches Entblättern sondern eine brutale Vergewaltigung. Der Zuschauerr weiß aus den beiden Filmschnipseln, die vor Beginn der Oper auf den schwarzen Vorhang projeziert werden, worum es geht. Salome erhält zu jedem Geburtstag…

Opernkritik: Ungewöhnliche Interpretation von Mozarts „Don Giovanni“ – Operaen Oslo – 2018

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Don Giovanni oder der Wüstling kommt davon – Richard Jones inszeniert „Don Giovanni“ mit überraschendem Ende – Oper Oslo übernimmt Produktion der English National Opera – von Klaus J. Loderer 
Es ist ein besonderer Clou, mit dem Regisseur Richard Jones, am Ende von Mozarts Oper „Don Giovanni“ überrascht. Da singt man rechts in der Ecke „Dies ist das Ende dessen, der Böses tut!“ Doch der damit gemeint ist, steht oben auf der Bühne ziemlich munter und tut das, was er die ganze Zeit über gemacht hat: er beglückt Frauen. Man schmunzelt über diese völlige Umdeutung des Endes. Und das bekommt Richard Jones sogar auf eine lässige Art hin, ohne das Stück verbiegen zu müssen.

Es ist die mit britischem Humor gewürzte witzig-kurzweilige Produktion von „Don Giovanni“ der English National Opera aus dem Jahr 2016, die man in Oslo übernommen hat. Regisseur Richard Jones inszeniert die Ouverture gleich mit und nutzt die Zeit Don Giovanni vorzustellen. Und was geht der Oper voran? Die Verführung von Fra…

Buchbesprechung: Bellevue Teatret – Arkitektur og teater i Arne Jacobsens bygningsværk [Bellevue-Theater, Architektur und Theater in Arne Jacobsens Bauschaffen]

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Ein avantgardistisches Theatergebäude von Arne Jacobsen – Ulla Strømberg stellt die Geschichte des Bellevue-Theaters am Öresund bei Kopenhagen vor – von Klaus J. Loderer 
Heute ist das Bellevue-Theater in Klampenborg am Öresund bei Kopenhagen vor allem durch Musical und Ballett bekannt. Aber auch das Gebäude ist bemerkenswert, handelt es sich doch um ein Theatergebäude des bekannten dänischen Architekten Arne Jacobsen (1902-1971). Zu seinen wichtigsten Bauten zählen das Hotel SAS Royal in Kopenhagen, die Vattenfall-Zentrale in Hamburg und das Rathaus in Mainz. Berühmt ist er auch für seine Möbel und Designentwürfe. Der stapelbare Stuhl der Serie 7 ist der meistverkaufte Stuhl der Welt. Das erste Großprojekt, an dem Jacobsen Anfang der 1930er-Jahre arbeitete, war die Siedlung Bellavista in Klampenborg. In diesem Zusammenhang entstand auch das 1936 eröffnete Bellevue-Theater. Es handelt sich um einen Bau des Funktionalismus mit teilweise ungewöhnlichen Ausstattungsdetails. Dazu zählt etw…

Opernkritik: Donizettis „Anna Bolena“ – Badisches Staatstheater Karlsruhe – 2018

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Gefangen in der Hofgesellschaft und den dicken Mauern des Königspalast – Gaetano Donizettis Oper „Anna Bolena“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe – von Klaus J. Loderer 
Es sind vor allem Ewa Płonka und Nicholas Brownlee, die gesanglich in dieser Aufführung den Ton angeben. Es ist der Mezzosopran, der aufhorchen lässt. Die polnische Juilliard School-Absolventin Ewa Płonka findet als Giovanna Seymour, die historische Jane Seymour, die feinen Nuancen zwischen unschuldiger Jugendlichkeit und höfischer Grandezza, kann mädchenhaft zurückhaltend sein und dann wieder auftrumpfend. Und sie singt über das zeitweilig durchaus auftrumpfende Orchester. Ihre Stimme füllt mühelos den Saal. Der amerikanische Bariton Nicholas Brownlee gibt mit sicherer Stimme einen dominanten Henrico, den historischen König Heinrich VIII. In seinem frei nach historischen Vorbildern geschneiderten Kostüm von Moritz Junge hat Brownlee eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Heinrich VIII. der Gemälde Holbeins.

Dieser eng…