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Es werden Posts vom März, 2019 angezeigt.

Opernkritik: Giuseppe Verdis „Ein Maskenball“ (Un ballo in maschera) – Staatstheater Darmstadt – 2019

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Amelia ist wirklich untreu – Giuseppe Verdis Oper „Ein Maskenball“ am Staatstheater Darmstadt – von Klaus J. Loderer 
Es könnte eine Kirche in Neuengland sein, dieses Stahlgerüst, das mit seinen Giebeln und Erkern ein Gebäude gerade so andeutet. Sich langsam drehend, sehen wir dieses eindrückliche Bauwerk des Bühnenbildners Andrea Cazzi nach und nach von allen Seiten. Vor dem dunklen Bühnenhintergrund blitzt es manchmal grell auf. Ein dramatischer Moment in dieser Aufführung von Giuseppe Verdis Oper „Ein Maskenball“ am Staatstheater Darmstadt ist der Auftritt der Seherin Ulrica, die uns hier in einem Käfig gefangen vorgeführt wird. Sie wird in der Szene gepeinigt wie ein wildes Tier. Kammersängerin Elisabeth Hornung (seit vielen Jahren eine wichtige Stütze des Darmstädter Opernensembles) verleiht dieser Rolle mit düsterer Tiefe Charakter. Wir sehen hier nicht die nette Seherin mit ihren Fans. Angstvoll strecken die Frauen ihr Fackeln und Gesangbücher entgegen. Regisseur Valentin Schwar…

Opernkritik: „Serse“ (Xerxes) – Badisches Staatstheater Karlsruhe – 2019

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King of Bling – Popshow statt Schlachtengetümmel – Franco Fagioli und Max Emanuel Cencic als Stars von Händels kurzweilig inszenierter Oper „Serse“ (Xerxes) bei den 42. Händelfestspielen in Karlsruhe – von Klaus J. Loderer
Erobert werden sollen in dieser Inszenierung nicht fremde Länder sondern Fans. Und die jubeln fleißig, wenn der King of Bling auf die Bühne kommt. Liberace mit seinen fantasievollen Kostümierungen stand Pate für diesen Popstar, zu dem der antike persische Feldherr und König Xerxes bei den 42. Händelfestspielen in Karlsruhe wurde. Serse heißt er in Händels gleichnamiger Opernfassung, sicherlich eine der bekanntesten Opern des Barockkomponisten und in dieser Saison in einigen Theatern auf dem Spielplan. Da muss man schon mit einer spektakulären Produktion aufwarten. Die bietet Karlsruhe schon durch die Sänger, indem man zwei der besten Countertenöre verpflichtete: Franco Fagioli und Max Emanuel Cencic. Schon diese beiden sorgen für eine entsprechend gute musikalische Q…

Opernkritik: Gaetano Donizettis „Maria Stuarda“ – Gärtnerplatztheater München – 2019

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Wer im Glashaus sitzt ... – Michael Sturminger inszeniert mit Gaetano Donizettis Königinnenoper „Maria Stuarda“ am Gärtnerplatztheater in München einen spannenden Zickenkrieg – von Klaus J. Loderer
Das Bay Window gehört zum festen Bestandteil des englischen Wohnhauses. Die Paläste der elisabethanischen Zeit sind geradezu eine Orgie an Bay Windows. Von solchen Erkern ließen sich wohl die Bühnen- und Kostümbildner Andreas Donhauser und Renate Martin für ihren riesigen, von drei Glaswänden gebildeten Bühnenraum für „Maria Stuarda“ inspirieren. Mit Projektionen ließen sich auf den Glasscheiben wechselweise Fenstersprossen oder Bäume erkennen. So schlicht stilisiert das Bühnenbild ist – abgesehen von Kronleuchtern für königlich-elisabethanisches Ambiente – prunkt die Produktion mit üppigen Kostümen, Reifröcken und Halskrausen der Handlungszeit. Regisseur Michael Sturminger scheut das große Tableau mit symmetrisch aufgestellter Hofgesellschaft zum Auftritt der Königin nicht. Festlich-gülden …

Amüsantes Divertissementchen „Offenbach“ in Köln – Bühnenspielgemeinschaft Cäcilia Wolkenburg – 2019

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Offenbach! Platz! – Ein gelungener Wurf: Cäcilia Wolkenburg würdigt im neuen Divertissementchen mit viel köllschem Humor den vor 200 Jahren in Köln geborenen Jacques Offenbach – von Klaus J. Loderer
Jetzt wissen wir endlich, warum es mit der Opernrenovierung in Köln nicht vorangeht. Die Bauarbeiter, die uns das diesjährige Divertissementchen im ersten Bild im Rohbau der Kölner Oper vorführt, sind mit anderen Dingen beschäftigt, jedenfalls nicht mit arbeiten. Lehrling Karl Friedrich Naseweis (Johannes Fromm) ist jedenfalls ganz erstaunt, dass der von Mama gebackene Kuchen unter seinen Kollegen nicht ankommt. Die schätzen Getreide nicht gebacken sondern gebrannt. Und so beginnt man den Tag erst einmal mit einer Runde Korn. Dann erzählt der Vorarbeiter, was es mit dem Offenbach-Platz auf sich hat.
Das Divertissementchen des Jahres 2019 widmet sich Jacques Offenbach. Dieser wurde vor 200 Jahren in Köln geboren. Also dachte sich Regissseur und Librettist Lajos Wenzel eine wilde Geschichte au…