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„Oberst Chabert“ von H. W. v. Waltershausen – Mark Morouse singt Titelrolle in Opernrarität an der Oper Bonn – 2018

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„Einst tot unter den Toten, nun tot unter den Lebenden“– „Oberst Chabert“, eine beklemmende Musiktragödie von Hermann Wolfgang von Waltershausen an der Oper Bonn –von Klaus J. Loderer
Es ist eine berührende Rolle, die Mark Morouse an der Oper Bonn als Graf Chabert verkörpert. Es ist die Geschichte eines Offiziers, der nach einer Schlacht lebendig begraben wird, sich aus dem Grab herausbuddeln kann, im Irrenhaus landet und dann verzweifelt um die Anerkennung daheim kämpft. Bühnenbildner David Hohmann hat dafür ein klaustrophobes Bild eines eingestürzten Bauwerks geschaffen. Durch die dauerhafte Anwesenheit von Mark Morouse auf der Bühne konzentriert Regisseur Roland Schwab die Handlung in Bonn noch mehr auf die Titelfigur. Es ist nicht nur die Verzweiflung der Hauptfigur, sondern auch die Liebe zu seiner ihn verleugnenden Ehefrau, die Morouse mit starkem Bariton und auch sanften Tönen zum Ausdruck bringt.

„Einst tot unter den Toten, nun tot unter den Lebenden“ ist auf dem heruntergelasse…

Opernrarität: Komische Oper „Casanova“ von Albert Lortzing – Musikalische Komödie Leipzig – 2018

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Venezianische Charade – Albert Lortzings komische Oper „Casanova“ an der Musikalischen Komödie Leipzig – von Klaus J. Loderer
Die Handlung spielt in Venedig. Das ist schon durch das Bild auf dem Bühnenvorhang unverkennbar. Und auch die ganze Inszenierung entführt nach Venedig. Dazu hat Bühnenbildnerin Beate Zoff eine der typischen Brücken auf die Bühne gestellt und sogar Motive des Dogenpalasts verarbeitet. Obwohl. Ja obwohl doch das Stück gar nicht in Kernvenedig spielt. Der Dogenpalast passt insofern nicht so ganz. Aber lassen wir die Spitzfindigkeit und nehmen wir das als hübsche Venedig-Collage hin. Und schön sieht das zweifelsohne aus mit den venezianischen Arakaden zur Linken, Kanal und Brücke in der Mitte und einem Plätzchen zur Rechten. So präsentiert die Musikalische Komödie Leipzig den ersten Akt von Albert Lortzings komischer Oper „Casanova“ und hat damit wieder einmal eine interessante Ausgrabung in der reichen verschütteten Welt des musikalischen Lustspiels gemacht.

Lortzin…

Buchbesprechung: Operaen – das Opernhaus in Oslo

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Ein Eisberg im Hafen – Schöner Bildband über das Opernhaus in Oslo – von Klaus J. Loderer
Wie ein Eisberg ragt das vom norwegischen Architekturbüro Snøhetta entworfene Opernhaus von Oslo markant aus dem Wasser auf. Dieser Effekt stellt sich zumindest vom Wasser ein. Allerdings rücken dem bisher freistehenden Bauwerk nun Neubauten wie die Stadtbibliothek und das Munchmuseum, die beide noch im Bau sind, auf den Leib. Nach der Eröffnung 2008 erschien auch ein großformatiger Bildband, der das Gebäude vorstellt. Darin findet man neben zahlreichen Fotos zum Gebäude, zur Baustelle, der Eröffnungsfeier und der ersten Tätigkeiten der Opernmitarbeiter im Gebäude auch die Pläne.
Während man mit dem Bau des Opernhauses sogar früher fertig war als geplant – die Eröffnung fand fünf Monate früher als vorgesehen statt – hatte der Bau eines neuen Opernhauses allerdings eine sich einige Jahrzehnte hinziehende Vorgeschichte. Zeitweilig war auch das Gelände des ehemaligen Westbahnhofs im Gespräch, hinter d…

Opernkritik: „Salome“ von Richard Strauss – Aalto-Musiktheater Essen – 2018

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The same procedure as last year – the same procedure as every year – Mariame Clément inszeniert eine bestürzende „Salome“ im Aalto-Musiktheater in Essen – von Klaus J. Loderer 
Sie ist bestürzend, diese Salome-Produktion. Sie ist bestürzend deutlich, weil uns Regisseurin Mariame Clément direkt darauf stößt, was sonst in dieser Oper eher untergeht. Schon Oscar Wildes Text macht deutlich, dass alle möglichen Männer lüsterne Blicke auf das Mädchen Salome richten. Dass Salome das bei Narraboth und Herodes ausnutzt, um ihre Ziele zu erreichen, ist eine andere Sache. Doch Mariame Clément liest den Text anders. Und es ist bestürzend, wie anders man den Schleiertanz interpretieren kann. In Cléments Leseweise der Musik gefriert einem der Blick. Sie sieht darin nicht ein erotisches Entblättern sondern eine brutale Vergewaltigung. Der Zuschauerr weiß aus den beiden Filmschnipseln, die vor Beginn der Oper auf den schwarzen Vorhang projeziert werden, worum es geht. Salome erhält zu jedem Geburtstag…

Opernkritik: Ungewöhnliche Interpretation von Mozarts „Don Giovanni“ – Operaen Oslo – 2018

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Don Giovanni oder der Wüstling kommt davon – Richard Jones inszeniert „Don Giovanni“ mit überraschendem Ende – Oper Oslo übernimmt Produktion der English National Opera – von Klaus J. Loderer 
Es ist ein besonderer Clou, mit dem Regisseur Richard Jones, am Ende von Mozarts Oper „Don Giovanni“ überrascht. Da singt man rechts in der Ecke „Dies ist das Ende dessen, der Böses tut!“ Doch der damit gemeint ist, steht oben auf der Bühne ziemlich munter und tut das, was er die ganze Zeit über gemacht hat: er beglückt Frauen. Man schmunzelt über diese völlige Umdeutung des Endes. Und das bekommt Richard Jones sogar auf eine lässige Art hin, ohne das Stück verbiegen zu müssen.

Es ist die mit britischem Humor gewürzte witzig-kurzweilige Produktion von „Don Giovanni“ der English National Opera aus dem Jahr 2016, die man in Oslo übernommen hat. Regisseur Richard Jones inszeniert die Ouverture gleich mit und nutzt die Zeit Don Giovanni vorzustellen. Und was geht der Oper voran? Die Verführung von Fra…

Buchbesprechung: Bellevue Teatret – Arkitektur og teater i Arne Jacobsens bygningsværk [Bellevue-Theater, Architektur und Theater in Arne Jacobsens Bauschaffen]

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Ein avantgardistisches Theatergebäude von Arne Jacobsen – Ulla Strømberg stellt die Geschichte des Bellevue-Theaters am Öresund bei Kopenhagen vor – von Klaus J. Loderer 
Heute ist das Bellevue-Theater in Klampenborg am Öresund bei Kopenhagen vor allem durch Musical und Ballett bekannt. Aber auch das Gebäude ist bemerkenswert, handelt es sich doch um ein Theatergebäude des bekannten dänischen Architekten Arne Jacobsen (1902-1971). Zu seinen wichtigsten Bauten zählen das Hotel SAS Royal in Kopenhagen, die Vattenfall-Zentrale in Hamburg und das Rathaus in Mainz. Berühmt ist er auch für seine Möbel und Designentwürfe. Der stapelbare Stuhl der Serie 7 ist der meistverkaufte Stuhl der Welt. Das erste Großprojekt, an dem Jacobsen Anfang der 1930er-Jahre arbeitete, war die Siedlung Bellavista in Klampenborg. In diesem Zusammenhang entstand auch das 1936 eröffnete Bellevue-Theater. Es handelt sich um einen Bau des Funktionalismus mit teilweise ungewöhnlichen Ausstattungsdetails. Dazu zählt etw…

Opernkritik: Donizettis „Anna Bolena“ – Badisches Staatstheater Karlsruhe – 2018

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Gefangen in der Hofgesellschaft und den dicken Mauern des Königspalast – Gaetano Donizettis Oper „Anna Bolena“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe – von Klaus J. Loderer 
Es sind vor allem Ewa Płonka und Nicholas Brownlee, die gesanglich in dieser Aufführung den Ton angeben. Es ist der Mezzosopran, der aufhorchen lässt. Die polnische Juilliard School-Absolventin Ewa Płonka findet als Giovanna Seymour, die historische Jane Seymour, die feinen Nuancen zwischen unschuldiger Jugendlichkeit und höfischer Grandezza, kann mädchenhaft zurückhaltend sein und dann wieder auftrumpfend. Und sie singt über das zeitweilig durchaus auftrumpfende Orchester. Ihre Stimme füllt mühelos den Saal. Der amerikanische Bariton Nicholas Brownlee gibt mit sicherer Stimme einen dominanten Henrico, den historischen König Heinrich VIII. In seinem frei nach historischen Vorbildern geschneiderten Kostüm von Moritz Junge hat Brownlee eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Heinrich VIII. der Gemälde Holbeins.

Dieser eng…

Opernkritik: „Il matrimonio segreto“ (Die heimliche Ehe) von Domenico Cimarosa – Oper Köln – 2018

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Es gackert und kräht im Hühnerstall – Tierisch-komische Cimarosa-Oper „Il matrimonio segreto“ von Renaud Doucet und André Barbe an der Oper Köln – von Klaus J. Loderer 
Bei einer Opernbesprechung von gackernden Hühnern und krähenden Hähnen zu sprechen, könnte leicht missverstanden werden. Ich kann nun nicht einmal sagen, dass damit nicht die Sänger gemeint sind, denn genau diese tun es. Und ich werde wohl künftig immer an einen Hühnerstall denken, wenn ich Cimarosas Oper „Il matrimonio segreto“ (Die heimliche Ehe) sehen oder hören werde. Das liegt an der Inszenierung des Regisseurs Renaud Doucet in Bühnenbild und Kostümen von André Barbe, die nun an der Oper Köln im Staatenhaus zu sehen ist – ursprünglich eine Produktion der Festwochen der Alten Musik in Innsbruck aus dem Jahr 2016.

1792 erlebte die Oper „Il matrimonio segreto“ in Wien ihre Uraufführung. Berühmt ist die Geschichte, dass Kaiser Leopold II. die Oper so gut gefiel, dass er ein sehr wörtlich zu nehmendes da capo al fine ver…

Opernkritik: Glucks „Orpheus und Euryike“ – Theater Krefeld Mönchengladbach – 2018

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Amor dirigiert das Spiel mit dem Geigenbogen – Bei Glucks „Orpheus und Euryike“ am Theater Krefeld Mönchengladbach ist das Ballett mit einbezogen – von Klaus J. Loderer 
Am Ende scheint dieser Orpheus nicht wirklich glücklich zu sein. Betreten steht er mit einem Geigenbogen rechts der Bühne, während Eurydike links sitzt. Dabei hatte er gerade Erfolg als Musiker und seine Eurydike zurückbekommen. All dies sehen wir zu den letzten Musiknummern. All dies hat Amor inszeniert. Von ihm hat Orpheus auch den Geigenbogen. Amor hat ihn benutzt, um all die Geschehnisse zu dirigieren. Eine interesssnte Umdeutung von Amors Bogen. Doch dieser Amor mit weißem Hut, ärmellosen Frack und roten Handschuhen hat auch eine bedrohliche Seite. Seine rechte Gesichtshälfte ist als Schädel geschminkt. Er ist Tod oder Liebesgott, je nachdem, wie er steht. Er ermöglicht Orpheus den Weg in die Unterwelt, er ist es aber auch, der Eurydike in den Untergrund führt, wenn Orpheus sich verbotenerweise nach ihr umgedreht …

Buchbesprechung: Oper Köln für Anfänger – Anleitung für den ersten Opernbesuch von Frank Rohde

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Oper ist cool  – Frank Rohde hat eine muntere Opernanleitung für Jugendliche für den ersten Opernbesuch verfasst, Enya Obert hat sie witzig illustriert – von Klaus J. Loderer 
Vor ein paar Tagen entdeckte ich an der Kasse der Oper Köln ein kleines Heft, das kostenlos ausliegt: Oper Köln für Anfänger. Das Heft entpuppte sich als Handreichung für junge Leute zum ersten Besuch in der Oper. Eigentlich sollten Kölner Kinder ja durch die Kinderoper ziemlich opernerprobt sein, aber in der Erwachsenenoper geht es ja doch etwas anders zu. Und so hat Frank Rohde, der Leiter Abteilung Theater und Schule in der Dramaturgie der Oper Köln, zur Feder gegriffen und sich überlegt, welche Stolperfallen so ein Opernhaus bietet. Er geht die Sache witzig an und beruhigt gleich: Opernbesuche sind viel einfacher als Fallschirmspringen. Und Enya Obert hat zum Stift gegriffen und witzige Illustrationen angefertigt.
Frank Rohde setzt gleich daheim an: bei der Frage, was man anzieht, zieht er sich elegant aus de…