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Opernrarität: Gaspare Spontinis „Agnes von Hohenstaufen“ – Theater Erfurt – 2018

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Der Kaiser auf dem Podest Theater Erfurt scheitert mit „Agnes von Hohenstaufen“ von Gaspare Spontini von Klaus J. Loderer
Zu seinen Lebzeiten war Gaspare Spontini ein gefeierter Komponist. Im Musikunterricht in der Schule habe ich über ihn nur gelernt, dass gleichzeitig mit den schlichten melodischen romantischen Opern eines Carl Maria von Weber an der königlichen Oper zu Berlin seelenlose Bombastopern eines italienischen Komponisten gelaufen seien. Sogar Elefanten seien da aufgetreten (ein Detail, das sich wohl auf die Pariser Aufführung von „Olimpie“ bezieht). Seitdem möchte ich eine dieser Bombastopern auf der Bühne sehen.

Nun ergab sich die Gelegenheit. Das Theater Erfurt brachte „Agnes von Hohenstaufen“ auf den Spielplan. Als Eingangscoup gibt es dort sogar auch eine tierische Einlage. Ein Adler stürzt sich auf einen auf der Bühne im Halbdunkel liegenden Mann. Überhaupt taucht das Adlermotiv im Regiekonzept von Marc Adam immer wieder auf. Es ist natürlich auch das deutsche Wappenti…

Opernkritik: Gaspare Spontinis „Agnes von Hohenstaufen“ – Theater Erfurt – 2018

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Eine Vergewaltigung der Ohren Gaspare Spontinis „Agnes von Hohenstaufen“ am Theater Erfurt von Matthias Woehl
Die Erwartung ist groß. Alle Connaisseurs der klassischen Musik machen sich auf nach Erfurt. Endlich mal „Agnes von Hohenstaufen“ live erleben, eine Oper des italienischen Komponisten Gaspare Spontini, die zuletzt 1986 in Rom gegeben wurde und die man nur von den spärlichen CD-Einspielungen kennt.  Und dann noch in ungekürzter Fassung, das wird ein Fest! Aber nur fünf Aufführungen in zehn Tagen, die Zeit ist knapp. Somit rafft man die Freunde zusammen, Hotel, aufwändige Anreiselogistik bis alle da sind, doch zur Dernière sitzt man vollzählig pünktlich im Theater. Licht aus, das Spiel kann beginnen.

Erste Zweifel an der musikalischen Leitung kommen schon in der Ouvertüre auf. Ist eine solche Aufführung, zu der man (auch international) anreist, und welche eine Visitenkarte für das Theater sein soll, nicht Chefsache, oder wenigstens der Grund, einen Spezialisten zu engagieren? In E…

Musical: Jerry Hermans „La cage aux Folles“ (Ein Käfig voller Narren) – Theater Pforzheim – 2018

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Wenn da nicht Zaza wäre Philipp Werner rettet als Zaza Jerry Hermans „La Cage aux Folles“ im Theater Pforzheim von Matthias Woehl
Jerry Hermans Musical „La cage aux Folles“ ist so viel mehr als ein Stück über zwei Schwule mit Showelementen und lustigen Verwicklungen. Wer frühere Zeiten als schwuler Mann nicht erlebt hat, hat wohl keine Ahnung, was es bedeutet hat, seine Sexualität auszuleben. Viele waren gezwungen ein Doppelleben zu führen, da war nichts von Akzeptanz, sondern ein schwules Leben war geprägt von Versteckspielen, Angst und Erniedrigungen. In Deutschland wurde z.B. der Paragraph 175 erst 1994 gestrichen. Schwule waren alles andere als chic, und vor allem gab es wenige Identifikationsfiguren. Mitte der 1980er-Jahre fing es ganz vorsichtig an sich zu verändern. Erste offene Schwule im Fernsehen, sogar berühmte Fernsehserien, in denen es schwule Protagonisten gab, Pop-Stars die sich outeten. In dieser Zeit entstand der Film „Ein Käfig voller Narren“ und kurz danach das wunde…

Konzert: Der Bariton Aris Argiris singt in Rolandseck – 2018

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Der Gute unter den Bösen Ein Abend mit dem Bariton Aris Argiris und Peter Bortfeldt am Klavier in der Reihe der Abonnementkonzerte der Johannes Wasmuth Gesellschaft im Arp Museum Bahnhof Rolandseck von Matthias Woehl 
Schaut man ins Programmheft ist man erstaunt. Etwas Verismo, etwas Bel-Canto, etwas Verdi, eine bunte Mischung aus dem Repertoire eines Baritons. Aber eben eine Mischung, nicht einzuordnen. Ist er jetzt ein lyrischer Bariton, ein dramatischer? Gerade eben hat Aris Argiris in Wien und in Chemnitz seine ersten hochdramatischen Erfahrungen als Wotan gemacht und damit das Publikum beeindruckt. Aber wie würde ich jetzt sagen: Früher waren Sänger des hochdramatischen Fachs, wie Hans Hotter, neben ihren großen Brocken durchaus in der Lage, noch Mozart und sogar Lieder zu singen. Aris Argiris hat sicher bei seinen hochkarätigen Lehrern (darunter z.B. der große Kostas Paskalis) gelernt, dass man seine Stimme geschmeidig halten muss, um nicht am Ende nur mit drei Partien auf der Bü…

Konzert: Aris Argiris im Arp Museum Bahnhof Rolandshöhe – 2018

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Musikalisches Farbenspiel eines leidenschaftlichen Baritons Das Publikum feiert Aris Argiris beim Konzert der Johannes-Wasmuth-Gesellschaft im Arp Museum Bahnhof Rolandseck von Klaus J. Loderer
Aris Argiris benötigt kein Bühnenbild, um Oper zu machen. Wenn Aris Argiris zu singen beginnt, wird jeder Raum zur großen Oper. Mit gewaltiger Stimme füllt der Bariton den Saal. Lautmalerisch spielt er mit der Stimme, kostet die Nuancen der Musik aus. Das leidenschaftliche Spiel von Aris Argiris zieht die Zuschauer in Bann. Spätestens mit Jagos Arie „Credo in un dio crudel“ hängt das gesamte Publikum an seinen Lippen. Bravo, Beifallsstürme, das Publikum in Extase.

Dabei fängt das 7. Abonnementkonzert der Johannes-Wasmuth-Gesellschaft am 2. Juni im Arp Museum Bahnhof Rolandseck so verhalten an. Einen Querschnitt durch italienische Opernarien verspricht das Programmheft. Der Prolog aus Leoncavallos „Bajazzo“ ist geschickt als Einleitung gewählt, stimmt der Text doch auf eine Opernaufführung ein. De…

Museum: Arp-Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen am Rhein

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Festspielstimmung am Rhein Das Arp Museum im Bahnhof Rolandseck ist nicht nur ein Haus der Kunst sondern auch der Musik von Klaus J. Loderer
Es ist ein besonderes Haus, das Arp Museum in Remagen. Normalerweise wird hier Kunst gezeigt. Doch die Johannes-Wasmuth-Gesellschaft füllt das Museum auch regelmäßig mit Musik. Das 7. Abonnementkonzert mit dem Bariton Aris Argiris, begleitet von Peter Bortfeldt am Klavier, führt mich an einem sonnigen Frühlingsnachmittag dorthin. Zwischen Bonn und Koblenz gelegen, ist der Bahnhof Rolandseck eine Berühmtheit. Elegant thront das historische Bahnhofsgebäude aus dem 19. Jahrhundert hinter einer Grünfläche oberhalb des Rheins, ein Belvedere, dessen eiserne Umgänge viele Blicke auf den Rhein und das gegenüberliegende Siebengebirge eröffnen. Das 1858 errichtete Empfangsgebäude war damals Endbahnhof der Bonn-Cölner-Eisenbahn und ermöglichte den Umstieg auf die unterhalb anlegenden Dampfschiffe. Die großzügigen Säle im oberen Geschoss nutzt heute ein Resta…

Chansonprogramm: Tante Woo und Roman Who? mit Liedern von Udo Jürgens – 2018

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Vom Prinz und der Prinzessin, die auszogen, uns von Glück und Leid zu berichten Tante Woo und Roman Who? mit ihrem Programm „Udo für alle“ im Amadeus in Köln von Matthias Woehl
Bitte eine Stunde vor Beginn des Konzerts da sein, es wird voll. Das wurde mir beim Bestellen der Karte bereits mitgeteilt. Das hieß eine Stunde warten, Zeit nachzudenken. Udo Jürgens, nicht unbedingt mein Œuvre. Erst vor drei Jahren, als ich einen halben Meter seiner CDs erbte, habe ich begonnen, mich näher mit seinem Schaffen zu befassen. Erstaunliches trat da für mich ans Tageslicht. Was werden die beiden aus seinem üppigen Repertoire aus Schlagern und Chansons wohl auswählen und wie wird man es darbieten? Beide Künstler kommen vom klassischen Gesang, Tante Woo ist Andreas Schmidt, Roman Who? der Bariton Roman Grübner. Ich will mich überraschen lassen, ich bin ja offen für Alles, Hauptsache es ist gut. Die Spannung steigt, Tusch, Ansage, es geht los. 

Einer Explosion ähnlich stürzen die beiden auf die Bühne, o…

Schwungvolle Operette: „Frau Luna“ von Paul Lincke – Theater Dortmund – 2018

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Berliner auf dem Mondscheinball Erik Petersen inszeniert Paul Linckes Operette „Frau Luna“ in Dortmund von Klaus J. Loderer
Fritz sucht den Mann im Mond und findet Frau Luna. Der begehrtesten Frau des Universums zieht Fritzchen dann aber doch die Berliner Maid Marie vor, die von Prinz Sternschnuppe auf den Mond geholt wird, weil Frau Luna der einzige Himmelskörper ist, den er noch nicht hatte. Und jetzt kommt ihm dieser Fritz in die Quere. Dann angelt er sich aber doch Frau Pusebach, die dem Steuerbeamten Pannecke auf den Mond gefolgt ist. Und wen liebt dann am Ende noch mal Schneider Lämmermeier? Jedenfalls beschließen Frau Luna und ihr Haushofmeister Theophil, der auf einem Erdgang während einer Mondfinsternis sich mal mit Frau Pusebach vergnügt hat, am Ende, dass sie für Ehe und Treue nicht geeignet sind, das sei doch eher etwas für die da unten, also das Theaterpublikum. Noch klar, wer mit wem? Nicht? Macht nix. Operetten sind da ungefähr so einfach wie Barockopern. Rein statistisc…

Opernkritik: Richard Wagners „Der fliegende Holländer“ – Staatsoper Hamburg – 2018

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Der Mutter Ehebruch ist die Ursache für des Holländers Leidens 75. Vorstellung von Wagners „Der fliegende Holländer“ in der Inszenierung von Marco Arturo Marelli an der Staatsoper Hamburg von Klaus J. Loderer
Eine kleine Szene illustriert die Ouvertüre. Vor einem Haus am Wasser sitzt eine Frau mit ihrem Sohn. Sie faltet ihm ein Papierschiffchen. Das Kind spielt damit. Da kommt ein Mann herbei und lockt die Frau ins Haus. Sie vergnügen sich. Der Sohn pocht verzweifelt an die Tür und läuft schließlich davon. Nun wissen wir also, warum der Holländer so verzweifelt nach einer treuen Frau sucht.

Die Staatsoper Hamburg hat kürzlich wieder die interessante Inszenierung von Marco Arturo Marelli aus dem Jahr 1996 für einige Vorstellungen ins Programm genommen. Es ist in Hamburg eine schöne Sache, dass immer wieder Produktionen aus früheren Jahren im Spielplan auftauchen, so hat man doch noch Gelegenheit, Inszenierungen, auf die man durch die in den Treppenhäusern dder Staatsoper hängenden Fotos …