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Fotoausstellung: Schwarzweißfotos aus Budapest von Ottó Kaiser und Imre Kinszki – Ungarisches Kulturinstitut Stuttgart – 2018

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Überraschende Perspektiven Ausstellung „Képpontok / Views of Budapest“ mit Schwarzweißfotos von Ottó Kaiser und Imre Kinszki im Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart von Klaus J. Loderer 
Eine Ausstellung mit großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien ist bis zum 16. Februar 2018 im Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart zu sehen. Harte Hell-Dunkel-Kontraste, Muster ergebene Schlagschatten auf dem Boden, kaligrafische Muster der Linienführung sind die Gemeinsamkeiten dieser Fotos – und natürlich, dass Budapest das Modell all dieser Fotos ist. Aber es sind ungewöhnliche Ansichten von Budapest. Die berühmten Gebäude fehlen völlig. Es ist keine dieser Ausstellungen, in denen das Publikum gleich erkennt, hier das Parlament, dort die Basilika, dann noch die Kettenbrücke etc. Es sind Fotos aus ungewöhnlichen Perspektiven, mit Motiven des Alltags aus der ungarischen Hauptstadt.
Die Ästhetik der Schwarz-Weiß-Fotografie vereinheitlicht die Fotos. Doch stutzt man dann etwas. Von wann sind diese B…

Vestibül der Wiener Staatsoper mit Gemälden von Karl Josef Geiger restauriert

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Vestibül der Wiener Staatsoper restauriert Lünettenbilder des Malers Karl Josef Geiger sind nun wieder gut zu erkennen von Klaus J. Loderer 
Das Vestibül der Wiener Staatsoper, immerhin einer der wenigen Räume im Haus am Ring mit originaler Innengestaltung, hat über die Jahre etwas angestaubt gewirkt. Die aufwendige Gestaltung war verblasst, teilweise auch beschädigt und verschmutzt und wirkte insgesamt etwas düster. Im Sommer 2017 frischten, von der Bundestheater-Holding in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bundesdenkmalamt durchgeführte, umfangreiche Reinigungs- und Restaurierungsarbeiten das Vestibül auf. Nun sind die vielen interessanten Details in Reliefs und Malereien wieder deutlich zu erkennen. Auch der echten Marmor imitierende Stuckmarmor wurde restauriert.
Die Besucher der Oper gehen durch das Vestibül oft achtlos hindurch. Die Gestaltung ist allerdings mit vielen interessanten Details. So stellen die Lünettenbilder des Malers Karl Josef Geiger nette Szenen aus dem Thea…

Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe – 2014

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Wagner legt Beckmesser über’s Knie Sogar mal witzig: Tobias Kratzer inszeniert Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ in Karlsruhe von Matthias Woehl
Gespannt war ich auf die Regie von Tobias Kratzer, von dem ich einen wirklich tollen „Tannhäuser“ in Bremen gesehen habe. Der Regieansatz war wirklich witzig, das Theater im Theater, auch mit netten Bildern von Festwiese, Andeutungen an Wieland Wagner Inszenierungen und auch modernem Regietheater. Spannend auch die Idee, aus der Eva mal eine kleine Schlampe zu machen, treibt sie doch ihr Verführungsspiel mit Beckmesser, Stolzing, Sachs und am Ende auch schon wieder mit einem neuen Lover. Sehr sensibel zeichnet Kratzer auch den unglücklich verliebten Sachs, der von Renatus Meszar nicht nur eindrucksvoll gespielt, sondern auch hervorragend gesungen wurde (was haben wir im dritten Akt schon Sachse verrecken hören). Lustig auch der Auftritt des Meisters Wagner, der den Beckmesser über’s Knie legt. Nur: Im Bühnenbild von Rainer Sellmaier ist es …

Mussorgskys „Boris Godunow“ am Staatstheater Karlsruhe – 2015

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Herausragender Bass: Avtandil Kaspeli als Pimen Mussorgskys „Boris Godunow“ am Staatstheater Karlsruhe von Matthias Woehl
Bei „Boris Godunow“ bevorzuge ja die überarbeitete Fassung mit dem „Polen-Akt“ gegenüber der inzwischen wieder oft gespielten Urfassung, aber man nimmt ja, was man bekommt! David Hermann beweist, dass auch stilisiert unglaublich ergreifend ein kann. Er zaubert wundervolle Bilder auf die Bühne, und Joachim Klein beleuchtet diese auf beeindruckende Weise. Das einzige, was ich nicht verstanden habe, warum in der Schänke die Personen auf einmal zu Comic-Figuren werden! Ansonsten hat man eine beeindruckende Inszenierung über den Aufstieg und Fall des Zaren Boris bebildert vor Augen. Allen voran der muss Konstantin Gorny als Boris erwähnt werden, denn er singt und gestaltet einen idealen Boris. Endlich mal ein Bass, der auch die leisen Töne zu singen und darzustellen versteht. Larissa Wäspy ist eine filigrane Xenia, und fast grandios (hätte sie ein wenig besser gesungen) …

Songdrama „Ewig jung“ von Erik Gedeon am Renaissance-Theater in Berlin – 2015

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Makabre Komödie in Berlin Songdrama „Ewig jung“ mit Angelka Milster am Renaissance-Theater Eigentlich wollte ich am Karfreitag in Magdeburg die selten gespielte Oper „Die Braut von Messina“ des tschechischen Komponisten Fibich anschauen. Wie ich aber noch im Zug im Internet feststellte, fiel die Vorstellung aus. Parsifal in Leipzig war zeitlich nicht zu schaffen. Also schnell umdisponiert und im ICE nach Berlin gerast. Für Parsifal an der Staatsoper Berlin hat es leider gerade nicht gereicht, da der schon um 16 Uhr anfing. Aus dem Ballett Dornröschen an der Deutschen Oper wurde dann auch nichts, da diese Vorstellung wegen eines Streiks ausfiel (wenn das Haus endlich mal ausverkauft ist, läßt man die Vorstellung platzen, das hat die Touristen, die über Ostern in Berlin sind, sicher gefreut). „Die Macht der Gewohnheit“, die gerade jeden Tag am Berliner Ensemble läuft, kam natürlich Karfreitag gerade nicht.
Ich bin dann schließlich im Renaissance-Theater gelandet. Dort gab es die musikali…

CD-Besprechung: Laurent Campellones Aufnahme der Oper „Les Barbares“ von Camille Saint-Saëns

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Komposition für das römische Theater in Orange Laurent Campellone leitet Aufnahme von „Les Barbares“ von Camille Saint-Saëns am Theater Saint-Étienne von Klaus J. Loderer
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts fanden im renovierten römischen Theater von Orange Konzerte statt. Um 1900 träumte man gar mit staatlicher Unterstützung von einer Art französischem Bayreuth. Um diese Opernfestspiele in die Wege zu leiten, sollte eine eigene Oper komponiert werden. Für Plot und Libretto konnte man den renommierten Theaterautor Victorien Sardou gewinnen. Für die Musik waren Xavier Leroux und Jules Massenet im Gespräch, bis man die Verhandlungen auf Camille Saint-Saëns konzentrierte. Der fand die Idee allerdings abwegig und hatte akustische Bedenken wegen des Theaters und besondere wegen des Mistrals, einem sommerlichen aber kalten Wind, der Aufenthalte im Freien in Orange ziemlich ungemütlich machen kann.Aber mit verschiedenen Versprechungen gewann man Camille Saint-Saëns schließlich doch.
Das Opernth…

CD-Besprechung: „Renaud“ von Antonio Sacchini, herausgegeben von Palazzetto Bru Zane

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„Renaud“ – Antonio Sacchinis wunderbare Bearbeitung des Armida-Stoffs Palazzetto Bru Zane bringt Aufnahme der vergessenen Oper des 18. Jahrhunderts mit Les Talents Lyriques unter der Leitung von Christophe Rousset heraus von Klaus J. Loderer 
Kürzlich habe ich mit Salieris „Les Danaïdes“ die Aufnahme einer 1784 uraufgeführten Oper vorgestellt. Ebenfalls bei Palazzetto Bru Zane – Centre de musique romantique française, dessen Schwerpunkt ja in der Wiederbelebung französischer Oper liegt, ist ein weiteres wunderbares Werk erschienen. 1784 wurde in Paris „Renaud“ von Antonio Sacchini (1730-1786) uraufgeführt, übrigens wie „Les Danaïdes“ ein Paris-Debüt. Sacchini geriet mitten hinein in die verfeindeten Lager um Gluck und Piccinni, die Gluckisten und die Piccinnistes. Mit seinen Anhängern, den Sacchinistes, wurden die musikalischen Intrigenspiele nun noch komplizierter. Zu seinen Fans gehörte übrigens auch die Königin Marie-Antoinette.
Bei „Renaud“ handelt es sich um eine der vielen Bearbei…

Interview: Jürgen Kolb im Gespräch mit Matthias Woehl

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Über echte und falsche Operngöttinnen OpernLoderer-Autor Matthias Woehl plaudert über die heutige Welt der Oper Das etwa 40 Minuten dauernde Interview, das Jürgen Kolb mit Matthias Woehl führt, bringt positive Themen wie Miseren des heutigen Opernlebens zur Sprache. Alte und neue Diven treiben unseren Autor um. Mit der Reihe Opfer der Nazis möchte der OpernLoderer an vergessene Schicksale erinnern. Operninszenierungen, Gesang, Feuilleton sind weitere Themen des Gesprächs.

Claudio Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ – Theater Aachen – 2017

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Und ewig lockt das WeibClaudio Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“ am Theater Aachenvon Matthias Woehl
Monteverdis Bühnenwerke gelten ja als die ersten Opern überhaupt. Beim hören erstaunt mich aber immer wieder, wie ausgereift diese Stücke musikalisch bereits sind. Bei der „Krönung der Poppea“ ist aber auch das Sujet erstaunlich aktuell. Da möchte der Ehemann seine Geliebte heiraten, muss dazu aber erst mal seine Ehefrau loswerden, die ihren Platz aber nicht einfach so kampflos räumen möchte, was die Geliebte wiederum zu so mancher Intrige anstachelt. Nach viel Eifersucht, Irrungen, Wirren und Leid findet sich das Paar dann zwar endlich vereint, aber ob das jetzt wirklich das Glück bedeutet? Das alles ist immer noch etwas, was Liebende dereinst wie heute umtreibt. Hat vielleicht deswegen Regisseur Jarg Pataki mit der Bühnenbildnerin Pia Greven und der Kostümbildnerin von Sandra Münchow eine so zeitlich gar nicht recht einzuordnende Inszenierung geschaffen? Letztlich ist es egal, i…

Premierenkritik: Janaceks „Jenufa“ – Staatstheater Darmstadt – 2017

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Was bedeutet der Schweinskopf? Premiere von Janaceks „Jenufa“ im Staatstheater Darmstadt von Matthias Woehl 
Ach Jenaufa, das arme Ding, über der man das Unglück mit Kübeln ausschüttet. Eine Oper die mich immer wieder bist auf’s Mark rührt. Auch wenn der angeblich „kultivierte“ Städter von heute das Stück gerne belächelt, so muss ich doch sagen, das die Geschichte selbst heute noch genauso stattfinden könnte, und genau auch da, in der Stadt. Jede Figur ist (so für sich gesehen) in ihrem Tun absolut nachvollziehbar, selbst die angebliche Bigotterie der Küsterin, die eigentlich gar nicht so bigott denkt, sondern es (trotz oder besser mit dem grauenvollen Kindsmord) gut mit ihrer Ziehtochter meint. Regisseur Dirk Schmeding hat die Oper – dem Interview im Programmheft nach – „abgeschmeckt“. Soso. Wir sehen eigentlich eine klassiche Jenufa (wie so was eben seit Jahrzehnten gemacht wird). Man dichtet einen Schweinskopf hinzu (was sich mir nicht erklärt), zappelt im ersten Akt grundlos umher,…