Posts

Opernkritik: Giuseppe Verdis Oper „Falstaff – Theater Pforzheim – 2021

Bild
Die Genießer und die Kostverächter  – Rhys Jenkins in der Titelrolle von Giuseppe Verdis Oper „Falstaff“ am Theater Pforzheim –  von Klaus J. Loderer Was haben die Bürger von Windsor eigentlich gegen den Ritter Sir John Falstaff? Werten sie ihn nur abschätzig wegen seines Bauchs? In Zeiten der Sensiblisierung auf Body-Shaming fällt das auf. Regisseur Thomas Münstermann hat diesen Aspekt in seiner Inszenierung am Theater Pforzheim herausgestellt. Er kann sich dabei auf den Text berufen. Wird Fastaff wegen seines Bauchs beschimpft, so ist er selbst aber auch sehr stolz darauf. Immerhin besingt er seinen Bauch in einer von Verdi geradezu hymnisch gestalteten Arie. In Pforzheim sind zwei Gruppen eindeutig sortiert: die Genießer und die Kostverächter. Die Genießergruppe wird natürlich von Sir John angeführt. Mit dem aus Wales stammenden Bariton Rhys Jenkins erlebt man einen kraftvoll gesungenen Falstaff mit nicht nachlassender Energie und quirliger Lebendigkeit. Um ihn dreht sich im wörtlic

Dokumentarfilm „Spiel des Schicksals“ von Éva Hübsch

Bild
Verbundenheit mit der Heimat  – Ein Dokumentarfilm von Éva Hübsch über Neusatz ­– Filmvorstellung im Liszt-Institut in Stuttgart –  von Klaus J. Loderer Um drei Frauen geht es in dem 2019 gedrehten Dokumentarfilm „Spiel des Schicksals“. Alle drei haben eine Verbindung zur Wojwodina, der nordwestlichen Region Serbiens, die früher einmal zum Königreich Ungarn gehörte. Die Regisseurin Éva Hübsch, die auch selbst im Film mitspielt, lebt und arbeitet in Neusatz (serbisch Novi Sad, ungarisch Újvidék). Ria Schneider erlebte ihre Kindheit in der Stadt. Elisabeth Müller hat familiäre Beziehungen dorthin. Wir erfahren von den engen emotionalen Beziehungen der Frauen zu dieser Region. Für Ria Schneider ist Neusatz die Heimat geblieben. Standbild aus dem Dokumentar­film Spiel des Schicksals – man sieht  Elisabeth  Müller über der Donau Foto: Éva Hübsch Es ist ein kurioses Zusammentreffen, das die Basis für diesen Film gelegt hat. Bei einer Veranstaltung in Deutschland lernte die Regisseurin Ria Sc

Vortrag „Szenographie und Bühne – Achsen im faschistischen Rom“ von Ralph-Miklas Dobler

Bild
Demonstration von Herrschaft und Macht   – Vortrag „Szenographie und Bühne – Achsen im faschistischen Rom“ von Ralph-Miklas Dobler in der Reihe „IFAG um sieben“ –  von Klaus J. Loderer An zwei Straßenachsen stellte Prof. Ralph-Miklas Dobler in einem online gehaltenen Vortrag des Instituts für Architekturgeschichte der Universität Stuttgart am 6. Dezember 2021 faschistischen Stadtumbau in Rom vor. Es handelt sich um zwei bekannte Straßenachsen, mit denen sich Dobler beschäftigte. Die Via dell’Impero, die heutige Via dei Fori Imperiali, die unter Mussolini angelegt wurde, um die Piazza Venezia mit dem Kolosseum zu verbinden, wird von vielen heutigen Touristen sicher nicht als Achse des faschistischen Städtebaues erkannt. Ein ebenso beliebtes Fotomotiv ist die Via della Conciliazione. Historische Postkarte: Die  Via dei Fori Imperiali in Rom hieß unter Mussolini  Via dell’Impero Noch 1922 war der Bereich zwischen dem Nationaldenkmal und dem Kolosseum dicht bebaut. Zwar hatte man schon vor

Ausstellung »Menyhért Szabó – Anomalie« im Liszt-Institut in Stuttgart

Bild
Die zerknitterte Antike  – Ausstellung » Anomalie«, Skulpturen von  Menyhért Szabó im ungarischen Kulturzentrum Liszt-Institut in Stuttgart –  von Klaus J. Loderer Dem Apostel Bartholomäus soll angeblich die Haut abgezogen worden sein. Auf Darstellungen zeigt der Heilige deshalb oft seine Haut. Auch in der griechischen Mythologie findet man das Thema der abgezogenen Haut. Der Gott Apollon strafte so den Satyr Marsyas, der es gewagt hatte, ihn zu einem musikalischen Wettstreit herauszufordern. An diese Mythen erinnert eine Skulptur des ungarischen Künstlers Menyhért Szabó. Die Haut eines Kopfes ist über einen Baumstumpf gehängt. Schlaff hängt die Haut herunter, verformt ohne den Stabilität bietenden Schädelknochen. Gerade noch erkenntlich ist die Partie um Kinn, Mund und Nase.  » Menyhért Szabó –  Anomalie«, Ausstellung im  Liszt Institut in Stuttgart Foto: kjl Das Spiel mit der Instabilität der äußersten Schicht des menschlichen Körpers ist das Thema des 1992 geborenen ungarischen Küns

Ausstellung: Bilder von Karsten Kretschmer und Gez Zirkelbach im Museum am Widumhof in Urbach – 2021

Bild
Die Künstler spielen mit unseren Assoziationen  – Ausstellung »Two of Art – jetzt« mit gemeinsamen Arbeiten von Karsten Kretschmer und Gez Zirkelbach im Museum am Widumhof in Urbach –  von Klaus J. Loderer »Two of Art« bedeutet nicht, dass Werke zweier Künstler in einem Raum versammelt sind. Es bedeutet in diesem Fall vielmehr, dass die Arbeiten gemeinsam von zwei Künstlern geschaffen wurden. Das ist ungewöhnlich. Karsten Kretschmer und Gez Zirkelbach pflegen diese gemeinsame Kunstschöpfung aber schon seit vielen Jahren. Als »Two of Art« sind sie ein fester Begriff. Allerdings arbeiten sie nicht ausschließlich zusammen. Beide Künstler führen durchaus noch ihr Eigenleben. Nun präsentierten sie wieder einmal ihre neuesten gemeinsamen Arbeiten. Ziemlich genau nach fünfzehn Jahren stellten sie wieder in Urbach aus. 2006 haben sie ihre Bilder schon einmal in Urbach gezeigt. Damals war der 2004 gewählte Begriff »Two of Art« noch recht neu, die Zusammenarbeit geht aber schon bis in die Mitte

Franz Lehárs Operette »Die Juxheirat« – Musikalische Komödie in Leipzig – 2021

Bild
Wenn die Los-vom-Mann-Präsidentin heiratet Franz Lehárs selten gespielte Operette »Die Juxheirat« an der Musikalischen Komödie in Leipzig von Klaus J. Loderer »Die Juxheirat« gehört zu den weniger bekannten Werken Franz Lehárs. Sie geriet schnell in den Schatten der ein Jahr später uraufgeführten Operette »Die lustige Witwe«. Damit wurde Lehár auf einen Schlag berühmt. »Die Juxheirat« verschwand in der Versenkung. Ein Grund mag auch gewesen sein, dass einige Motive der Handlung eben auch in der »Witwe« vorkommen, etwa, dass der Tenor der weiblichen Hauptperson gegenüber kein Liebesbekenntnis machen soll. Dieses Problem zu lösen, ist den Librettisten in der »Witwe« dann doch wesentlich eleganter gelungen als in »Die Juxheirat«. Dabei hat das Libretto der »Juxhochzeit« mit seiner teilweise scharfen Ironie durch Qualitäten.  »Die Juxheirat« an der Musikalischen Komödie in Leipzig: Lilli Wünscher (Selma), Julia Ebert (Miss Edith), Theresa Maria Romes (Juliane von Reckenburg), Nora Lentner

Ausstellung »Reise« in der Galerie Dengler und Dengler in Stuttgart – 2021

Bild
Von Reisen und Reisesehnsucht  – Galerie Dengler und Dengler in Stuttgart präsentiert Gemälde von acht Künstlern in der Ausstellung »Reise« –  von Klaus J. Loderer Der Vulkan ist aktiv. Lava rinnt den düsteren Berg hinunter. Fast der ganze Himmel ist mit dunklen Wolken verhangen. Nur ein kleines Eckchen blauer Himmel ist noch sichtbar. Wir sehen den Vesuvausbruch des Jahres 1944. Eine dramatische Szenerie, die allerdings konterkartiert wird durch zwei Objekte, die für Erstaunen sorgen. Es fliegt links und rechts je eine Pizza. Wurden sie im Vesuv gebacken? Oder sind es unbekannte Flugobjekte in Pizza-Optik. Der ungarische Künstler András Pinczehely hat eine ganze Serie solch surrealistischer Pizza-Bilder geschaffen. Pizza findet sich bei ihm an jedem Ort. Zwei dieser Pizza-Bilder waren bei der Ausstellung »Reise« in der Galerie Dengler und Dengler in Stuttgart zu sehen. Die Gemälde Pinczehelyis waren schon in mehreren Einzelausstellungen in der Galerie zu sehen. Noch ein zweites Pizza-

Theatergeschichte: Vor 110 Jahren wurde das von Oskar Kaufmann geplante Stadttheater Bremerhaven eröffnet

Bild
„Es herrschte nur eine Stimme der höchsten Anerkennung über die prächtige und harmonische Ausstattung des Kunsttempels“  – Vor 110 Jahren wurde das neue Stadttheater in Bremerhaven, ein Werk des Architekten Oskar Kaufmann, eröffnet –  von Klaus J. Loderer „Bremerhaven, den 1. Oktober. Das neue Stadttheater wurde gestern abend vor einem zahlreichen Kreise geladener Gäste, unter denen sich die Spitzen der Behörden, Vertreter der Kunst und Wissenschaft, der Presse und eine große Anzahl von Freunden des Kunstinstituts befanden, durch die Generalprobe des Shakespeareschen Sommernachtstraums eingeweiht. Das Theater war bis auf den letzten Platz besetzt. Es herrschte nur eine Stimme der höchsten Anerkennung über die prächtige und harmonische Ausstattung des Kunsttempels, der nach dem Urteil berufener Sachverständiger in seiner Raumgestaltung, seiner vornehmen Ausstattung und ausgezeichneten Akustik zu den hervorragendsten Deutschlands zählt. Auch die Aufführung unter Regie des Direktors Burch