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Theatergeschichte: Wie aus dem Somossy-Orpheum das Budapester Operettentheater wurde

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Unterhaltung im alten Budapest  – Karl Somossy und sein Erstes hauptstädtisches Orpheum –  von Klaus J. Loderer Sylva Varescu tritt in der Operette »Die Csárdásfürstin« im Budapester Orpheum auf. Was ist eigentlich ein Orpheum? Der Begriff basiert natürlich auf dem Sänger Orpheus in der griechischen Mythologie. Das Fremdwörterbuch übersetzt Orpheum mit Tonhalle oder Vergnügungslokal. In der Operette ist, wie man schnell merkt, kein Konzertsaal gemeint sondern ein Etablissement, wie man früher so schön sagte. Denn Sylva Varescu ist keine Kammersängerin sondern eine »Tingeltangeleuse«, wie despektierlich über sie gesagt wird. Der deutsche Begriff für Orpheum war Rauchtheater, was schon darauf hinweist, dass man dort nicht wie im Bayreuther Festspielhaus gebannt auf die Bühne starrte oder wie im königlichen Hoftheater zu Budapest auf das Kleid in der Loge gegenüber, sondern man es sich gemütlich machte, rauchte, tafelte und sich nebenbei unterhalten ließ mit Musik und Show. Da wurde gelac

Theatergeschichte: die Schilleroper, ein gefährdetes Theatergebäude in Hamburg

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Zirkus, Theater, Opernhaus, Werkstatt, Ruine  – Die Schilleroper ist das Stammhaus des Zirkus Busch –  von Klaus J. Loderer Ein unendliches Trauerspiel ist die Schilleroper in Hamburg. Erbärmlich ist der Zustand des ehemaligen Zirkus- und Theatergebäudes, dessen Hauptsaal inzwischen seit Jahrzehnten leer steht und zerfällt. Dabei handelt es sich um das letzte existierende Zirkusgebäude Deutschlands. Seit Jahrzehnten zieht sich der Streit zwischen der Stadt Hamburg und den Eigentümern hin. Auch die Rolle von Behörden und Politik war nicht unbedingt rühmlich, da diese lange Zeit alles daran gesetzt haben, das Gebäude abzureißen. Die kulturgeschichtliche Bedeutung der Schilleroper hat man erst spät erkannt. Dass die Behörden inzwischen ein Bebauungskonzept durchsetzen wollen, das sie in den 1980er-Jahren erbittert bekämpft haben, ist ein kurioses Detail dieser verwickelten Geschichte. Dabei sei es dahingestellt, ob die Behörden oder die Eigentümer blockieren. Dringlich wäre jedenfalls, da

Buchbesprechung: „Dem edlen Bürgersinn dies Haus geweiht, 100 Jahre Theater Stralsund“ von Juliane Voigt

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Ein bewegtes Jahrhundert  – Ein Buch von Juliane Voigt zum hundertjährigen Jubiläum des Theaters Stralsund –  von Klaus J. Loderer Am 16. September 2016, mitten im Ersten Weltkrieg, fand in Stralsund die Eröffnung des neuen Theaters statt. Genauer gesagt war es damals schon nicht mehr ganz neu. Das Theatergebäude war seit mehr als einem Jahr fertig – aber man hatte es nicht in Betrieb genommen. Durch die zeitliche Lücke zwischen dem alten und dem neuen Theater, in dem auch noch der Direktor starb, konnte man nicht einfach vom alten in das neue Haus umziehen. So musste der neue Direktor Otto Henning für die Spielzeit 1916/17 einen komplett neuen Theaterbetrieb aufbauen. 2016 war in Stralsund das hundertjährige Jubiläum angesagt, zu dem im Verlag Theater der Zeit ein umfangreiches und schön gestaltetes Buch über die Geschichte des Theaters erschienen ist. Ein wichtiger Schwerpunkt des Buchs ist die Rückführung der Innenräume in den Originalzustand im Rahmen einer 2006 bis 2008 durchgefüh