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Es werden Posts vom Oktober, 2019 angezeigt.

Buchbesprechung: Eine Festschrift über das Opernhaus Magdeburg

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Vom Unterhaltungstheater zum Opernhaus  – „Vom Zentraltheater zum Opernhaus“ – eine Festschrift über das Theater Magdeburg –  von Klaus J. Loderer Theaterbrände mag man in die Geschiche abtun, doch auch heutzutage brennen Theater. Das musste auch das Theater Magdeburg spüren. Am 20. Mai 1990 brannte das Theater lichterloh. Ein Foto in der Festschrift „Vom Zentraltheater zum Opernhaus“ zeigt eindrücklich, wie aus dem Bühnenhaus die Flammen herausschlagen und schwarzer Rauch über die Stadt zieht. Was die Ursache war, ist laut Festschrift nicht bekannt. Ein technischer Defekt wurde als Brandursache ausgeschlossen, die Ermittlungen über Brandstiftung wurden 1991 ohne Ergebnis eingestellt. Jedenfalls war das Theatergebäude stark beschädigt und wurde in der Folge völlig entkernt. Eingangsbereich, Treppen, Foyers und Zuschauerraum wurden vom Architekten Harald Stricker modern gestaltet. Links entstand ein neuer Anbau für Kasse und Café. Die Eingangsfront wurde in der vorhergehende

Opernkritik: Puccinis „La Bohème“ – Staatstheater am Gärtnerplatz München– 2019

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Liebe und Tod im Graffiti-Wohnzimmer  – Bernd Mottl findet für Giacomo Puccinis „La Bohème“ im Staatstheater am Gärtnerplatz in München eine aktuelle Lösung –  von Klaus J. Loderer Sind es Hausbesetzer, die in diesen riesigen Altbauzimmern wohnen. Hat der Maler die Wände bemalt statt der Leinwand? Zumindest sind die Wände dieses großen Raumes, in den wir in steiler perspektivischer Verkürzung hineinschauen, über und über bekritzelt mit kryptischen Zeichen. Das sieht eindrucksvoll aus. Immer mal wieder malt Marcello im Laufe des Stücks an der Wand herum. Eine moderne Wohngemeinschaft erleben wir in Bernd Mottls Inszenierung mit Bohèmiens der Gegenwart: vier Künstler unter hohen Altbaudecken. Es mögen nicht alle Details logisch sein in dieser Inszenierung – aber die Produktion zieht einen mit schönen Bildern in ihren Bann. Dichter Rodolfo und Maler Marcello frieren heftig – wobei man sich fragt, warum sie nicht einfach die in der Ecke stehenden Fensterflügel einhängen. Rodol

Ausstellung: „Tiepolo, der beste Maler Venedigs“ – Staatsgalerie Stuttgart – 2019

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Barocker Himmel  – Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt mit 120 Werken das Lebenswerk des venezianischen Malgenies Giovanni Battista Tiepolo –  von Klaus J. Loderer Liebhaber barocker Opern kennen natürlich die Geschichte von Rinaldo, der von der Zauberin Armida in Liebesbanden gelegt und so von seinem eigentlichen Metier, dem Heldendasein vulgo Kriegshandwerk abgehalten wird. Beide gehören zum Themenkomplex von Torquato Tassos Epos „Gerusalemme liberata“ um die Jerusalem erobernden Kreuzritter. Auch der venezianische Maler Giovanni Battista Tiepolo hat sich des Themas angenommen. In seiner Zeit in Würzburg Anfang der 1750er-Jahre malte er auch Leinwandbilder, da im Winter die Arbeit an den Deckenfresken in der Residenz nicht möglich war. Im Zentrum der Ausstellung „Tiepolo, der beste Maler Venedigs“, die ab Freitag in der Staatsgalerie in Stuttgart zu sehen ist, findet man ein Bildpaar aus der Residenz Würzburg, das Rinaldo und Armida zeigt. Im Bild „Rinaldo im Zauberbann Armida

Premierenkritik: „Mefistofele“ von Arrigo Boito – Theater Chemnitz – 2019

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Reise durch Zeit und Raum  – Balázs Kovaliks kluge und effektvolle Inszenierung der Oper „Mefistofele“ von Arrigo Boito im Opernhaus Chemnitz –  von Klaus J. Loderer Wie ein lebendig gewordenes Deckengemälde einer barocken Kirche gestaltet der ungarische Regisseur Balázs Kovalik den Prolog im Himmel, in seiner Inszenierung von „Mefistofele“ in Chemnitz: eine jener opulenten Himmelsapotheosen mit rahmender Architektur und vielen bewegten Figuren. Das erstaunliche daran ist, dass Csaba Antal beim Bühnenbild und Mari Benedek bei den Kostümen völlig ohne Rokokogeschnörkel und Barockzitat auskommen. Und doch assoziiert man bei den Tänzern mit Plastikflügeln sofort Erzengel (Choreographie Leo Mujić). Ein Tänzer in schwarzem Anzug mimt den Faust. Trotz ironischer Anklänge wie der witzigen Ausstattung des Kinderchors als Kindergartenkrippenspielengelchen kippt die Sache nicht. Kovalik lässt der wunderbaren Musik Arrigo Boitos, die sich im Prolog zu einem himmlischen Bombastfinale aufs

Ausstellung: „Verstrichene Zeit – Elfolyó idő 1989-2019“ – 2019

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Dreißig Jahre danach  – Ausstellung „Verstrichene Zeit – Elfolyó idő 1989-2019“ im ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart –  von Klaus J. Loderer Ein Bild von István Orosz, das ein Plakat der Wendezeit verarbeitete, auf dem man den Hinterkopf eines russischen Soldaten sieht mit der Überschrift „Tovarisi“ in kyrillischen Buchstaben. Der Künstler hat schräg darüberschrieben „Tschüss!“ erinnerte einige der Anwesenden bei der Eröffnung der Ausstellung „Verstrichene Zeit – Elfolyó idő 1989-2019“ im Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart an ihre eigene Vergangenheit. So schimmerte plötzlich die Zeit vor dreißig Jahren auf, als dieses Plakat in Budapest vielfach verbreitet wurde und eine Aufforderung an die Rote Armee sein sollte, das Land als Besatzungsmacht zu verlassen. Ausstellung „Verstrichene Zeit – Elfolyó idő 1989-2019“ im ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart Fotos: Klaus J. Loderer 1989 wurde in Ungarn der Eiserne Vorhang geöffnet, der Europa so lange getrennt h

Premierenkritik: „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss – Staatstheater Augsburg – 2019

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Jacques Le Roux (Bacchus), Sally Du Randt (Ariadne) Foto: Jan-Pieter Fuhr Ein Bild weint schwarze Tränen  – Sally du Randt und Jacques le Roux als Traumpaar in „Ariadne auf Naxos“ am Staatstheater Augsburg – Regisseur Dirk Schmeding geht die Oper tiefenpsychologisch und doch mit viel Ironie an – Domonkos Héja leitet die gut aufgestellten Augsburger Philharmoniker –  von Klaus J. Loderer In einer überzeugenden Inszenierung hat Dirk Schmeding Richard Strauss’ Oper „Ariadne auf Naxos“ am Staatstheater Augsburg in die Gegenwart gebracht. Dazu bilden eine weiß-schwarze Farbsymbolik in der Bühne von Martina Segna und den Kostüme von Valentin Köhler die Basis. Das fängt im Vorspiel in kühler Atmosphäre an und wird im zweiten Teil, der eigentlichen Oper, zum surrealen Ambiente. Sally du Randt und Jacques le Roux bilden ein stimmliches Traumpaar. Damit möchte ich die anderen Sänger nicht zurücksetzen. Denn man darf dem Staatstheater Augsburg gratulieren, dass es diese Aufführung au