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Es werden Posts vom Februar, 2020 angezeigt.

Premierenkritik: Opernrarität „Halka“ von Stanislaw Moniuszko – Theater an der Wien – 2019

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Krimi im Hotel – Regisseur Mariusz Trelinski verlegte die polnische Nationaloper „Halka“ von Stanislaw Moniuszko aus der bäuerlichen Atmosphäre in ein modernes Designhotel – von Klaus J. Loderer
Dem Theater an der Wien gelang mit „Halka“ ein Operncoup. Die außerhalb Polens wenig bekannte polnische Nationaloper „Halka“ von Stanislaw Moniuszko hätte eventuell selbst im opernbegeisterten Wien nur für begrenztes Interesse gesorgt. Die Starbesetzung mit Piotr Beczala (für eine eigentlich kleine Rolle) und Tomasz Konieczny führte dazu, dass schon Wochen vor der Premiere alle Vorstellungen restlos ausverkauft waren.
Beide enttäuschen nicht und schaffen denn auch ein besonderes Opernerlebnis. Als Jontek singt Piotr Beczala mit klarem Tenor und viel Schmelz. Einfühlsam ist diese Stimme, fein in der Phrasierung. Der Klang geht unter die Haut. Tomasz Konieczny ist als Janusz ein arroganter Lebemann. Der Bassbariton kann volltönend auftrumpfend.
Überhaupt glückt dem Theater an der Wien eine gute Sän…

Premierenkritik: Georges Bizets Oper „Carmen“ als packendes Drama – Oper Köln – 2019

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Von käuflichem Fleisch – Sex and Crime im Schlachthof – Lydia Steier inszeniert Georges Bizets „Carmen“ der Oper Köln als brutales und doch packendes Drama – von Klaus J. Loderer
Teile des Premierenpublikums sind geschockt. Trotz mancher Buhrufe gab es großen Jubel. Diese Inszenierung wird in Erinnerung bleiben. Es ist eine brutale Geschichte, die Regisseurin Lydia Steier erzählt. Sie handelt von geschlachteten Tieren, Prostitution, Drogen, Verbrechen und Tod. Sie spielt in einer surrealen Welt, in der alle Spanienklischees aufeinanderprallen und in teilweise aberwitzigen Kombinationen und schnellen und unerwarteten Verwandlungen über die Bühne gehen. So kann sich eine Kirche hier schnell in einen Striptease-Schuppen verwandeln. Carmen ist Opfer und irre Täterin zugleich. Schon während des Vorspiels hat sie in Verdoppelung mit einem „unschuldigen“ Mädchen Visionen ihres Todes. Eines der Mädchen hat eine blutige Wunde am Rücken. Immer wieder wird sie diese Albträume haben: Carmen oder e…

Premierenkritik: Jules Massenets Aschenputteloper „Cendrillon“ – Theater Ulm – 2019

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Aschenputtel in der Latzhose– Jules Massenets „Cendrillon“ im Theater Ulm in einer quietschbunten Inszenierung – von Klaus J. Loderer
Was bedeutet es, wenn Aschenputtel als Automechaniker eine Latzhose trägt und der Prinz einen Schirm in Regenbogenfarben hat? Das kann nur bedeuten, dass der Prinz deswegen die ganzen Prinzessinnen verschmäht, weil er schwul ist. Skandal! Nein, nein, falscher Alarm. Völlig falsche Schiene. So weit wollte Regisseur Christian von Götz in seiner Inszeneriung von Jules Massenets Oper „Cendrillon“ am Theater Ulm nicht gehen. In einem Interview im Programmheft, kann man nachlesen, dass es ihm um eine Travestierung der Rollenklischees und Spiel mit Geschlechterrollen gehe, weil er den Stoff für ziemlich frauenfeindlich halte und er das veraltete Geschlechterbild im Kern des Märchens ablehne. Als starke Frau läuft Centrillon in der Latzhose herum und bekommt für den Ball von der Fee einen Glitzerfrack. Da die Fee auch im Frack herumläuft, wähnte ich ja schon ei…

Operettenkritik: Paul Linckes „Frau Luna“ – Staatstheater Cottbus – 2020

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Der Traum vom Fliegen in Alt-Berlin – Paul Linckes Operette „Frau Luna“ am Staatstheater Cottbus – von Klaus J. Loderer
Alte Berlin-Postkarten stimmen im Staatstheater Cottbus auf die Operette „Frau Luna“ ein. Bühnenrahmen und Vorhang sind mit stark vergrößerten Bildmotiven versehen und zeigen das Berlin der Zeit um 1900. Das passt: 1899 hatte die erste Fassung von „Frau Luna“ in Berlin ihre Uraufführung (die ergänzte und heute übliche Fassung entstand 1920). Regisseur steffen Piontek und Bühnenbildner Mike Hahne bieten uns eine kurzweilige Alt-Berlin-Show. Entsprechend sind auch die Kostüme von Mike Hahne ganz Kaiserzeit: Pickelhaube, Zylinder, Rüschen und Cul-de-Paris. Ein weitere Themen der Ausstattung sind damals ganz neue Dinge wie ein Auto und Luftschiffe – LZ 1 absolvierte 1900 seinen Jungfernflug. Das liegt bei dieser Operette nahe, zumal man die Textfassung von Otto Schneidereit spielt, in der Fritz auf eine Anstellung beim Grafen Zeppelin hofft und die Reise auf den Mond nur …

Opernkritik: Wagners "Lohengrin" auf dem Rummelplatz – Theater Chemnitz 2020

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Ein vergessener Rummelplatz erwacht zu neuem Leben – Joan Anton Rechi inszeniert Wagners romantische Oper „Lohengrin“ im Opernhaus Chemnitz – von Klaus J. Loderer 
Einen stillgelegter Rummelplatz hat sich Bühnenbildner Sebastian Ellrich als Situation für „Lohengrin“ in Chemitz ausgedacht: Eindrucksvoll schlängeln sich die Schleifen einer alten Achterbahn durch den Raum. Manche Bahnen sind räumlich vorhanden, andere sind im Hintergrund nur gemalt. Doch das bemerkt man am Anfang nicht, wenn Nebel die Szene effektvoll verunklärt. Längst kommen keine Besucher mehr her. Eine trostlose Welt zeichnet Regisseur Joan Anton Rechi hier.
Elsa schläft. Sie träumt von Lohengrin, der im Hintergrund erscheint. Doch hat dieser Rummelplatz ein seltsames Leben. Sind es Leute vom Zirkus, die die Bühne plötzlich bevölkern, zumindest deuten die Kostüme von Mercè Paloma das an. Muss Elsa deshalb die Achterbahn hinaufklettern, um in einen vom König festgelegten Kreis zu springen? Das tut sie letztendlich nicht…

Premierenkritik: „Die Fledermaus“ – Heimathafen Neukölln in Berlin – 2020

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Albtraum für Rosalinde – Tilman aus dem Siepen inszeniert mit dem Ensemble ConTutti eine freche „Fledermaus“ im Heimathafen Neukölln in Berlin – von Klaus J. Loderer
Rosalinde und Gabriel sind ein modernes Ehepaar, das sich miteinander langweilt. Rosalinde zelebriert die Zubereitung von Kaffee. Gabriel hasst diesen Kaffee. Wer sich nicht langweilt, ist das Publikum, das dieses Eheglück betrachten darf. Denn dieser Tag im Leben der Eisensteins wird eine besondere Entwicklung nehmen. Handlung wird auch eine andere Wendung nehmen, als das Publikum üblicherweise in einer „Fledermaus“ erwarten darf. Dafür sorgt im Heimathafen Neukölln in Berlin der junge Regisseur Tilman van der Siepen, der die Operette in einer Produktion des Ensembles ConTutti frech und unverfroren neu aufmischt.
Spielbegeisterte junge Leute haben sich hier zusammengetan, um gemeinsam Operette zu machen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Und es kann sich hören lassen. Die Solisten sind Studierende, bei denen man schon n…

Filmkritik: »Ewiger Winter – die Vergessenen des 2. Weltkriegs « (Örök tél)

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Zur Zwangsarbeit verschleppt in die Sowjetunion – Ungarischer Film »Ewiger Winter – die Vergessenen des 2. Weltkriegs« als DVD erschienen – von Klaus J. Loderer
Es ist ein beklemmender und bedrückender Film. Im Film »Ewiger Winter« (Örök tél) geht es um die Verschleppung junger Frauen aus Ungarn zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion. Als »Malenki Robot« ist diese Verschleppung auch bekannt. Der Untertitel des Films »Die Vergessenen des 2. Weltkriegs« weist nicht nur darauf hin, dass dieses Thema allgemein wenig bekannt ist, sondern auch darauf, dass in Ungarn während der kommunistischen Zeit nicht darüber gesprochen werden durfte. Schließlich wäre das eine Kritik am sowjetischen Brudervolk gewesen. Nicht von ungefähr ist der Film als Filmdrama bezeichnet. Die internationale Resonanz  auf den Film war so positiv, etwa beim Filmfestival in Montreal, dass die Hauptdarstellerin Marina Gera sogar für einen Emmy nominiert wurde.
Der Film, der auf dem Buch »Lánykák, az idő eljárt« des Journalist…

Premierenkritik: Giuseppe Verdis „Rigoletto“ – Staatstheater am Gärtnerplatz in München – 2020

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Wo der Joker sein Unwesen treibt – Verdis „Rigoletto“ im Staatstheater am Gärtnerplatz in München als Reminiszenz an Gotham City – von Klaus J. Loderer
Die Partys des Herzogs von Mantua sind legendär. Eingeladen sind nur Männer. Genossen werden Whiskey und Frauen. Security sorgt dafür, dass eventuelle Ehemänner dieser Frauen nicht zu lästig werden. Für makabre Späße hat sich der Herzog den Joker engagiert. Er serviert ungelittene Personen ab. Eine Art Gotham City bildet den Schauplatz von Verdis Oper „Rigoletto“ im Gärtnerplatztheater in München. Walter Vogelweider hat dazu eine düstere Architektur auf die Drehbühne gestellt und mit Bogendurchgängen, Treppen und Wasserbecken eine dunkle Krimiatmosphäre geschaffen. Als knallharten Krimi geht Regisseur Herbert Föttinger die Geschichte an. Rigoletto ist der Joker, in Comic und Filmen der bösartige Gegenspieler von Batman und legendär verkörpert von Jack Nicholson. Es ist aber ein Joker, der eine gutmütige Seite hat, die des liebevollen Va…