Ausstellung Richard Strauss und die Wiener Staatsoper – Wiener Staatsoper – 2017

„Versteht es keinen Text, so schläft es“ – Richard Strauss als Anwalt des Publikums 

Ausstellung über Richard Strauss und die Wiener Staatsoper 

von Klaus J. Loderer

Die Wiener Staatsoper hat nicht nur eine besondere Pflege der Werke des Komponisten Richard Strauss. Es gab auch einige Uraufführungen. Die zweite Fassung von „Ariadne auf Naxos“ und „Die Frau ohne Schatten“ wurden hier uraufgeführt. Außerdem wurde 1924 erstmals das Ballett „Schlagobers“ gegeben. Richard Strauss war aber auch von 1919 bis 1924 Direktor. Auch danach dirigierte er bis 1942. Neben der Aufführung einiger Richard-Strauss-Opern ist im Dezember im Gustav-Mahler-Saal genannten Gobelinsaal der Wiener Staatsoper auch die Ausstellung „Richard Strauss und die Wiener Staatsoper“ zu sehen.

Ausstellung Richard Strauss und die Wiener Staatsoper im Gustav-Mahler-Saal der Wiener Staatsoper
Foto: Klaus J. Loderer

Im April 1918 fand am k.u.k. Hofopernhaus eine erste Richard-Strauss-Woche statt, in deren Folge der Generalintendant der Hoftheater, Leopold Freiherr von Andrian zu Werburg mit Strauss in Verhandlungen trat. Dieser schrieb:  „Von Anfang an neigte ich Richard Strauss zu, denn der berühmteste dramatische Komponist deutscher Zunge, der große Theaterkenner, der außerordentliche Dirigent schien wie kein anderer geneigt, unserer Oper die Fülle  des alten Ruhmes, von dem sie seit Mahlers Abgang eingebüßt hatte, wiederzugeben.“ Richard Strauss und Franz Schalk wurden als Doppelspitze eingesetzt. Die Strauss-Zeit markiert auch den Übergang von der Hofoper zur Staatsoper der jungen Republik. Strauss trat 1924 ab, Schalk blieb bis 1929 Direktor der Staatsoper.

Richard Strauss betonte in der Stückeauswahl an der Wiener Staatsoper stark einen gewissen Konservatismus. Er steuerte auf ein „Qualitätstheater“ hin, das nicht durch eventuell misslingende Uraufführungen gestört werden solle. So gab es in seiner Zeit nur drei Opernuraufführungen, darunter „Die Frau ohne Schatten“. Das bedeutet nicht, daß er keine neuen Stücke aufführte. Er war nur der Meinung, daß die Stücke anderswo erprobt werden sollten. Dazu zählten Stücke von Franz Schreker, Alexander von Zemlinsky, Giacomo Puccini, Erich Wolfgang Korngold, Julius Bittner, Franz Schmidt und Wilhelm Kienzl. Für kleiner Opern führte er den Redoutensaal als zweite Spielstätte ein. Die Zeit von Richard Strauss umfasst insgesamt etwa 1800 Aufführungen. Mit 300 Vorstellungen war Wagner der meistgespielte Komponist, gefolgt von Puccini mit 230 Aufführungen. Die meistgespielte Oper seiner Direktion war mit 65 Aufführungen „La Bohème“.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich Richard Strauss Gedanken über die Zukunft der Wiener Staatsoper. Gegenüber Karl Böhm äußerte er den Gedanken zweier Spielstätten, dem Haus am Ring als „permanente Ausstellung der größten Werke der Literatur in erstklassigen Aufführungen“ und dem Theater an der Wien als zweitem Haus. „Auf keinen Fall Uraufführungen“ im Haus am Ring, dafür Wagner, große Verdi-Opern etc. Im kleinen Haus konnten auch „sorgfältig geprüfte Uraufführungen“ stattfinden, ansonsten z.B. Verdis Traviata.

Die Opern von Richard Strauss in Wien

Die Ausstellung widmet sich dann auch den Aufführungen der Werke von Richard Strauss. Insgesamt gab an der Wiener Hofoper bzw. an der Staatsoper 3500 Aufführungen von Werken von Richard Strauss. Die erste Oper war 1902 „Feuersnot“, die letzte Erstaufführung 1968 „Die schweigsame Frau“. Ein Diagramm zeigt die Häufigkeit der Aufführungen an der Wiener Staatsoper. Bereits 1912 gab es mehr als 40 Aufführungen, das wird 1928 getoppt und dann erst wieder 1957 bis 1962. 1977 war mit 55 das Jahr der meisten Richard-Strauss-Aufführungen überhaupt an der Wiener Staatsoper. Danach sanken die Zahlen bis zum Tiefpunkt 2003 – nur im Zweiten Weltkrieg gab es in den letzten hundert Jahren weniger Aufführungen von Richard Strauss. Als einzige Oper von Richard Strauss wurde bisher nie „Guntram“ gespielt.

Mit 999 Aufführungen in fünf Produktionen ist „Der Rosenkavalier“ die am häufigsten gespielte Oper von Richard Strauss an der Wiener Staatsoper. Es folgen „Salome“ mit 550, „Ariadne auf Naxos“ mit 497 und „Elektra“ mit 365 Aufführungen. „Ariadne auf Naxos“ hatte mit acht die höchste Zahl der Produktionen, gefolgt von „Elektra“ und „Die Frau ohne Schatten“ mit jeweils sieben Inszenierungen. „Friedenstag“ hatte bisher nur eine einzige Aufführung.

Zehn goldene Regeln

Man findet in der Ausstellung auch von Richard Strauss aufgesetzte zehn goldene Regeln, „einem jungen Kapellmeister ins Stammbuch geschrieben“. Punkt 1: „Bedenke, daß du nicht zu deinem Vergnügen musizierst, sondern zur Freude deiner Zuhörer.“ Und da heute manche Leute zu meinen scheinen, dass Richard-Strauss-Musik nicht brutal genug klingen kann, sei Punkt 3 zitiert: „Dirigiere Salome und Elektra als seien sie von Mendelssohn: Elfenmusik.“ Punkt 7 interessiert das Publikum besonders: „Es genügt nicht, dass Du jedes Wort des Sängers, daß du auswendig weißt, selber hörest, das Publikum muß mühelos folgen können. Versteht es keinen Text, so schläft es.“ Und den Sänger wird Punkt 8 freuen: „Begleite den Sänger stets so, daß er ohne Anstrengung singen kann.“


Dezember 2017

Wiener Staatsoper, Gustav-Mahler-Saal

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