Walküre – Nationaltheater München – 2015
Eine Horde Statistinnen
„Die Walküre“ von Richard Wagner im Nationaltheater München
Das Orchester spannend unter Kirill Petrenko. Christopher
Ventris als Siegmund immerhin gut (wenn auch am Ende des ersten Aufzugs doch
etwas schwächelnd). Ein sehr guter Hunding von Günther Groissböck. Die Bühne
von Harald B. Thor ziemlich nichtssagend, ein langweiliger orthogonaler Raum,
hell, glatte Wände, links und rechts je drei offene Durchgänge; die Decke so
niedrig, dass sie gerade bis zur Höhe des ersten Rangs reicht (von den oberen
Rängen sicher gut einsehbar). Die
Regie von Andreas Kriegenburg ziemlich langweilig. Höchstens das Finale mit der
Feuervideoprojektion und dem Feuerring gibt optisch noch etwas her. Nervig der
Beginn des dritten Aufzugs. Meine Nachbar weiß schon: „Jetzt kommt das, wo
immer gebuht wird“. Vor dem Beginn der Musik stampfen und keuchen sich also ein
Dutzend Statistinnen über die Bühne. Nach gefühlten 10 Minuten das erste „Buh“
aus dem Parkett, ein „Bravo“ von oben, dann „Aufhören“ aus dem Parkett, „Zugabe“
von oben. Die holden Weiblichkeiten stampfen und keuchen immer noch und werfen
eifrig mit ihrer Haarmähne. Ach, das sollen die Pferde der Walküren sein, nein,
das sind Hengste. Nach weiteren gefühlten 10 Minuten ein Klatschsturm des
Publikums, doch das Spektakel geht noch weiter. Immer noch keine Musik.
Irgendwann fängt das Publikum zu reden an. Als dann endlich die Musik einsetzt,
verpufft diese völlig, da das Publikum nun nicht mehr ruhig zu bekommen ist. Es
tauscht munter weiter Kochrezepte aus und erzählt sich den neuesten Klatsch. Der
Walkürenritt geht so völlig in der Effektlosigkeit unter. Die Statistinnen
spielen im Hintergrund nun paarweise Pferdchen, während die Walküren im
Vordergrund mit Gurten dauerknallend teilweise heftig daneben kreischen. Hat
der Regisseur eine Amazonen-Regie-Idee, die er mal für Penthesilea hatte, nun
endlich mal verbraten können. Man ist von solchen nun nicht mehr gerade neuen
Vor-Stücken doch inzwischen eher entnervt.
Klaus J. Loderer
Besuchte Vorstellung: 6. März 2015
Nationaltheater München
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