Eliogabalo – Opera Garnier Paris – 2016

Androgyner Kaiser 

„Eliogabalo“ von Francesco Cavalli in Paris 


Von dem 1602 geborenen Barockkomponisten Francesco Cavalli wird vor allem „La Calisto“ manchmal gespielt. Nun hat die Pariser Oper das wunderbare Werk „Eliogabalo“ auf den Spielplan gebracht. Dafür hat man den begnadeten Countertenor Franco Fagioli für die Titelpartie gewonnen,  der diese Rolle meisterlich gestaltete. Auch der Countertenor Valer Sabadus in der Rolle des Giuliano ist inzwischen kein Unbekannter mehr. Auch die Tenorrollen Alessandro mit Paul Groves und Zotico mit Matthew Newlin waren sehr gut besetzt. Emiliano Gonzales Toro gab als Tenor eine kuriose kaiserliche Amme Lenia. 



In der Oper geht es um den römischen Kaiser Elagabal (auch Heliogabalus), einen angeblichen Sohn des Kaisers Caracalla, der 222 im Alter von 18 Jahren nach vier Jahren Regierungszeit ermordet wurde. Die Oper ist natürlich das übliche barocke Spiel um Macht und Intrigen mit einem komplexen Personengeflecht. Immerhin wechseln die Personen nicht andauernd ihre Emotionen. Letztlich geht es darum, dass Eliogabalo seinem Cousin Alessandro die Braut Gemmira ausspannen möchte und dazu nicht einmal vor Mordversuchen zurückschreckt, die sein Diener Zotico für ihn erfolglos arrangiert.



Der bombastische Zuschauerraum kontrastierte mit der bewusst schlichten aber sehr effektvollen Inszenierung von Regisseur Thomas Jolly. Für den dunklen Bühnenraum hat Bühnenbildner Thibault Sack ein bewegliches schwarzes Gebilde mit Treppen und Podesten geschaffen, das den Rahmen für die Auftritte des Kaisern bildete und mal Thronsaal mal Senat darstellte und dessen höchste Ebene eine Art Loge bildete, in der Eligabalo – in der Regel flankiert von Lenia und Zotico – in effektvollen aber doch androgyn wirkenden Prachtgewändern von Gareth Pugh sich in Szene setzte. Das waren schlichte bauliche Mittel, die aber den theatralischen Effekt unterstützten. Ein überaus wichtiges Element der Bühnengestaltung war das Licht von Antoine Travert, das ganze Säulenhallen produzierte. Die kaiserliche Szenerie unterstützten Balletttänzer, die mal als Statuen dekorativ herumstanden, mal als Lustknaben des Kaisers sich um diesen räkelten.



Eine sehr erfreuliche und ästhetische Produktion. Leonardo Garcia Alarcon sorgte mit der Capella Mediterranea für den barocken Wohlklang.

Klaus J. Loderer


Besuchte Vorstellung: 13. Oktober 2016

Palais Garnier Paris

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