Claus Guth inszeniert Salome – Deutsche Oper Berlin – 2016

Familiendrama beim Herrenausstattung 

„Salome“ von Richard Strauss an der Deutschen Oper Berlin 

Eine neue Salome an der Deutschen Oper in Berlin: Statt der erkrankten Catherine Nagelstad kann man sich an Allison Oakes erfreuen, die von der Seite singt. Die Choreographin Sommer Ulrickson spielt – dann sieht die Salome wenigstens mal etwas mädchenhafter aus. Michael Volle (Jochanaan) ist leider etwas indisponiert, hält sich aber gut und ist nur bei seinen letzten Tönen wirklich heißer.

Salome, Regie: Claus Guth, Deutsche Oper Berlin, Premiere am 24. Januar 2016
copyright: Monika Rittershaus
Wie bei Regisseur Claus Guth üblich wird eifrig vervielfacht. Salome ist gleich siebenfach auf der Bühne – in unterschiedlichen kindlichen Altersstufen. Jochanaan und Herodes sind identisch. Muriel Gerstner hat als Bühnenbild ein Herrenausstattungsgeschäft gebaut, was aber nicht sogleich erkennbar wird – zu Anfang ist die Bühne in Dunkel getaucht, man nimmt nur die sich wie Puppen eckig bewegenden Personen teil: Geisterstunde zwischen Schaufensterpuppen, wo die Salomes unter einem Kleiderberg Johanna entdecken und bekleiden. Ist er der Wunschvater? Immer wieder taucht er geisterhaft zwischen den Anzügen auf. Die Schlussszene wird für Herodias und Herodes zum Alptraum zwischen den Schaufensterpuppen, wenn Salome der Jochanaan-Puppe den Kopf abreist, damit den Vater überwindet und schließlich ihren Mantel anzieht und das Geschäft verlässt. Die Inszenierung wird in der zweiten Vorstellung mit heftigen Buhs quittiert. Zu Unrecht. Das war durchaus ein stimmiges Regiekonzept, das mit dieser skurrilen Geschichte umzugehen weiß und die Schärfe des drohenden Inzests zwischen Herodes und Salomé glaubhaft umzusetzen weiß.

Klaus J. Loderer

Besuchte Vorstellung: 30. Januar 2016
(Premiere: 24. Januar 2016)
Deutsche Oper Berlin


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