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Mozarts „Così fan tutte“ – Hessisches Staatstheater Wiesbaden – 2018

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Wer liebt, der hat auch zu leiden – der ewige Traum der monogamen Liebe  – Eine (fast) geniale Inszenierung von Mozarts „Così fan tutte“ am Staatstheater Wiesbaden –  von Matthias Woehl  Eigentlich gibt es keine Bühne. Der Zuschauerraum spiegelt sich auf der Bühne wieder, dort sitzt ebenfalls Publikum, in der Mitte wird um den umbauten Orchestergraben herum gespielt. Die Protagonisten sitzen im Zuschauerraum, wie wir, das Publikum, und dort entsteht der Streit zwischen Ferrando, Guglielmo und Don Alfonso. Alle Vorgänge entwickeln sich aus dem Publikum, und das passt einfach zu diesem Stück, das nicht umsonst „die Schule der Liebenden“ als Untertitel trägt, und die einfach Alle etwas angeht, die jemals geliebt haben. Im Gegensatz zu vielen anderen Opern handelt das Stück ja von Problemen, die auch heutzutage allgemeingültig sind, nämlich vom Traum der Monogamie und dessen Unmöglichkeit. Wer hat nicht, und sei es nur in der Phantasie, mal an jemand anderen gedacht?...

Konzert: Philharmonisches Staatsorchester spielt Schubert – Elbphilharmonie Hamburg – 2018

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Ulla Hahn dichtet zu Schubert  – Teile aus „Rosamunde“ und „Große“ Sinfonie von Franz Schubert – Kent Nagano dirigiert Philharmonisches Staatsorchester Hamburg in der Elbphilharmonie –  von Klaus J. Loderer Dass Sprechtheater mit Musik unterlegt wird, um Stimmungen zu erzeugen, ist nicht eine Idee moderner Regisseure. Schon früher schmückte man Schauspiele mit Musik aus. Bei einigen Theaterstücken ist das eigentliche Schauspiel längst vergessen, die Ouverture aber noch in Konzertsälen zu hören, wenn sie von einem bekannten Komponisten stammt. So sind einige bekannte Werke von Beethoven und Schubert solche Schauspielmusiken. Für das 5. Philharmonische Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie hat Kent Nagano der Sinfonie Nr. 8 C-Dur, genannt die „Große“, Teile der Musik zum längst vergessenen und lange Zeit verschollen geglaubten Schauspiel „Rosamunde“ vorgeschoben. Kurioserweise ist dessen Ouverture dann auch noch die Übernahme eines ebenso vergessenen Theater...

Premierenkritik: „Dialogues des Carmélites“ – Musiktheater im Revier Gelsenkirchen – 2018

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Nonnen sind doch keine Xanthippen  Premiere von Poulencs „Dialogues des Carmelites“ im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen  von Matthias Woehl Die „Gespräche der Karmeliterinnen“ gehören für mich zu den berührenden Bühnenwerken. Die Geschichte um die Hinrichtung von 16 Karmeliterinnen aus dem Kloster von Compiègne schockiert mich immer wieder, besonders weil das ganze am 17. Juli 1794 wirklich stattgefunden hat. Wie man auf diese Revolution, die etwa 20.000 Menschen das Leben kostete, stolz sein kann, und dass man das tatsächlich jedes Jahr sogar noch feiert, ist mir ein Rätsel. Zu den schrecklichen Vorgängen komponierte Poulenc eine unglaublich berührende Musik, und die Schluss-Szene mit dem jeweils herabsausenden Fallbeil, ist so eindringlich, dass es mir jedes Mal die Tränen in die Augen treib. Fällt der Vorhang, kann ich manchmal nicht einmal klatschen, und es beruhigt mich fast, das es dem Publikum in Gelsenkirchen für einen Moment auch so nahe ging, dass erst e...

Premierenkritik: „Dialogues des Carmélites“ von Francis Poulenc – Musiktheater im Revier Gelsenkirchen – 2018

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Bedrohliche Schatten in einer bedrohlichen Zeit  – Ben Baur inszeniert „Dialogues des Carmelites“ (Gespräche der Karmelitinnen) von Francis Poulenc im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen –  von Klaus J. Loderer Ein historisches Datum auf dunkler Wand, davor Frauen mit Kerzen, die das „Salve Regina“ singen. Eine nach der anderen, hört auf zu singen, bläst ihre Kerze aus und geht hinaus. Der Chor wird immer dünner. Bis zuletzt nur noch eine Frau singt. Ein eindrückliches Bild, das uns Regisseur und Bühnenbildner Ben Baur in seiner Inszenierung am Ende von Francis Poulencs Oper „Dialogues des Carmélites“ (Gespräche der Karmelitinnen) in Gelsenkirchen bietet. Zweifellos. Und doch frage ich mich, ob dieses Bild nicht verharmlost, was an diesem 17. Juli 1794, den es übrigens in Frankreich nicht gab, da man im Zuge der konsequenten Säkularisierung auch den christlichen Kalender abgeschafft hatte, und eigentlich der 29. Messidor des Jahres II heißen müsste, geschehen ist. De...

Premierenkritik: Wagners „Der fliegende Holländer“ am Theater Koblenz – 2018

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Na wenn sie alle gaga sind ...  Das Theater Koblenz präsentiert einen musikalisch hervorragenden „Holländer“  – von Matthias Woehl – „Der fliegende Holländer“ in Koblenz ist eine tolle Show, das kann man ohne Zweifel sagen. Aus Platzgründen setzt man die Rheinische Philharmonie auf die Bühne, und davor gestaltet Bühnenbildner Bodo Demelius eine ansehnliche Szene für die Vorgänge. Aber Regisseur Markus Dietze lässt seinen Holländer in einer Nervenheilanstalt spielen, was meine anfängliche Hoffnung, einer wirklich interessanten Deutung beizuwohnen, gleich völlig zerstört. Das Problem dabei ist nämlich, dass man, wenn alle sowieso gaga sind, alles machen, aber nichts ernst nehmen kann. Somit ist alles beliebig und auch bedeutungslos. So abwegig sind doch die Vorgänge in Wagners Oper „Der fliegende Holländer“ überhaupt nicht, jede Figur hat ihre Gründe dafür,   warum sie so handelt wie sie handelt, nur dass sie nicht unbedingt zusammenpassen, und das Ganze dann nicht...

Mozarts „Così fan tutte“ – Hessisches Staatstheater Wiesbaden – 2018

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Theater im Theater  Uwe Eric Laufenbergs überrascht mit seiner Inszenierund von Mozarts „Così fan tutte“ im Hessischen Staatstheater Wiesbaden  von Klaus J. Loderer  Der Vorhang offen, der Orchestergraben von einem Laufsteg umgeben und gar kein Bühnenbild. Doch halt. Das Proszenium ist gewissermaßen verdoppelt: den vergoldeten Bühnenrahmen, der Bogen und die Logen hat Bühnenbildner Matthias Schaller etwas verkleinert in den großen Rahmen gestellt. Man blickt vom Zuschauerraum in den Zuschauerraum – ein Effekt, der durch einen großen Spiegel im Hintergrund entsteht, in dem sich der echte Zuschauerraum spiegelt. Und um das zu verdeutlichen, ist die Bühne in ein zweites Parkett verwandelt, in dem auch Zuschauer sitzen. Bei beleuchtetem Zuschauerraum setzt die Ouverture ein und dann sollte die Oper anfangen, doch das verhindern drei diskutierende Herren in der ersten Reihe, die aufspringend sich um die Treue von Frauen streiten, einer hält alle Frauen für untreu, zwe...

„Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss – Theater Koblenz – 2017

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Es passiert etwas im Requisitenlager  „Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss im Theater Koblenz  von Klaus J. Loderer Im Koblenz pflegt man ob der geringen Ausmaße des Orchestergrabens die Variante, bei Opern mit großem Orchester dieses hinter die Szene zu setzen und über dem verdeckten Orchestergraben zu spielen. Diese Lösung hat beim „Rosenkavalier“ zu einem interessanten Ergebnis geführt. Da nun sowieso Orchester und Bühne „verkehrt herum“ sitzen, hat man dieses  „ verkehrt herum “  noch etwas weiter gesponnen und führt den Zuschauer in die Tiefen des Theaters, nämlich in das Requisitenmagazin, in dem der Requisiteur sich seine Oper zusammenträumt (Bühne und Kostüme Christian Binz). Wir sehen Regale mit allerlei Schachteln, Möbeln, Puppen und allerhand sonstigen Dingen. Auch auf der leicht nach oben gestuften Bühne stehen einige Sachen herum. Darunter ein Sofa, auf dem sich gerade zwei Gestalten im Liebesspiel tummeln: der Graf Rofrano mit der Fürst...

Premierenkritik: Menottis Oper „Der Konsul“ – Theater Krefeld/Mönchengladbach – 2017

Ein ergreifendes Stück über die Unmenschlichkeit  – „Der Konsul“ von Gian Carlo Menotti am Theater Krefeld/Mönchengladbach  –  von Klaus J. Loderer Ein ergreifendes Stück ist „Der Konsul“ von Gian Carlo Menotti. 1950 wurde die Oper in Philadelphia zum großen Erfolg. Das ist eigentlich nicht erstaunlich, konnten damals in den USA viele Menschen das Leiden der Hauptfigur durch eigene Erfahrungen oder Erzählungen von Verwandten nachvollziehen. Die Oper spielt in einer nicht genannten Diktatur. Magda s Mann gehört einer Widerstandsgruppe an, wird von der Polizei gesucht und flieht. Die Geheimpolizei durchsuch die Wohnung. Magda versucht, im Konsulat eines ebenfalls nicht genannten Landes um Visa nach. Doch es ist ein endloses Warten, ein endloses Ausfüllen von Formularen, der Hinweis auf immer neue Bescheinigungen, ein endloses Zermürben der um Visa ansuchenden. Sie alle werden von der Konsulatssekretärin trocken abgearbeitet. Den Konsul sieht man ni...

Opernrarität: „Giuditta“ (Judith) von Alessandro Scarlatti – Hessisches Staatstheater Wiesbaden – 2017

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Man dankt ihr nicht  – „Giuditta“ (Judith) von Alessandro Scarlatti am Hessischen Staatstheater Wiesbaden –  von Klaus J. Loderer Der Cavaliere Alessandro Scarlatti hat sich zwei Mal mit dem alttestamentarischen Judithstoff befasst. 1693 komponierte er das groß angelegte Oratiorium „Giuditta“. Bald erhielt er von Kardinal Pietro Ottoboni den Auftrag für ein neues Oratorium. Da dem Kardinal aber gerade nur eine kleine Zahl an Musikern zur Verfügung standen, musste ein kleineres Format entstehen. Scarlatti komponierte das Oratorium „Giuditta a true“ – also für drei Singstimmen, kleines Orchester und ohne Chor. 1697 fand die Aufführung in der Casa Vietnam, dem Palazzo der Familie Widmann in Rom, statt. Nun hat man das wunderbare Werk wieder ausgegraben und im Kleinen Haus der Hessischen Staatstheater Darmstadt in einer Koproduktion mit der Hochschule für Musik Mainz aufgeführt. Christian Rohrbach leitete das kleine Ensemble aus sieben Musikern fein und se...

Fotoausstellung: Schwarzweißfotos aus Budapest von Ottó Kaiser und Imre Kinszki – Ungarisches Kulturinstitut Stuttgart – 2018

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Überraschende Perspektiven  Ausstellung „Képpontok / Views of Budapest“ mit Schwarzweißfotos von Ottó Kaiser und Imre Kinszki im Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart  von Klaus J. Loderer  Eine Ausstellung mit großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien ist bis zum 16. Februar 2018 im Ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart zu sehen. Harte Hell-Dunkel-Kontraste, Muster ergebene Schlagschatten auf dem Boden, kaligrafische Muster der Linienführung sind die Gemeinsamkeiten dieser Fotos – und natürlich, dass Budapest das Modell all dieser Fotos ist. Aber es sind ungewöhnliche Ansichten von Budapest. Die berühmten Gebäude fehlen völlig. Es ist keine dieser Ausstellungen, in denen das Publikum gleich erkennt, hier das Parlament, dort die Basilika, dann noch die Kettenbrücke etc. Es sind Fotos aus ungewöhnlichen Perspektiven, mit Motiven des Alltags aus der ungarischen Hauptstadt. Die Ästhetik der Schwarz-Weiß-Fotografie vereinheitlicht die Fotos. Doch stu...