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Opernrarität: „Tolomeo, re d’Egitto“ von Georg Friedrich Händel – Staatstheater Karlsruhe – 2020

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Verlustangst unter Quallen  – Staatstheater Karlsruhe zeigt bei den 43. Händelfestspielen die selten gespielte Oper „Tolomeo, re d’Egitto“ –  von Klaus J. Loderer Quallen finden sich eher selten in Bühnenbildern. In Karlsruhe schweben sie in Massen und leuchtend wie Lampions in einem Raum, der gerade abgesoffen ist und durch dessen große Fenster man nun ein wilde Unterwasservegetation sieht. Dachte man vorher beim Blick durch die Fenster auf das Wasser an eine Villa am Meer, in dem mit schönem Abendrot vor der Pause die Sonne unter- und nach der Pause wieder aufgeht, könnte es sich während des entfesselten Sturms mit immer höher schlagenden Wellen um ein untergehendes Schiff zu handeln. Für das glückliche Ende ist dann wieder alles in Ordnung. Dann kann Tolomeo seine Seleuce in die Arme schließen. Was mit den drei anderen Personen passiert, das bleibt offen. „Tolomeo“ im Staatstheater Karlsruhe: Jakub Józef Orliński (Tolomeo) und Louise Kemény (Seleuce) Foto:...

Opernkritik: „Serse“ (Xerxes) – Badisches Staatstheater Karlsruhe – 2019

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King of Bling – Popshow statt Schlachtengetümmel  – Franco Fagioli und Max Emanuel Cencic als Stars von Händels kurzweilig inszenierter Oper „Serse“ (Xerxes) bei den 42. Händelfestspielen in Karlsruhe –  von Klaus J. Loderer Erobert werden sollen in dieser Inszenierung nicht fremde Länder sondern Fans. Und die jubeln fleißig, wenn der King of Bling auf die Bühne kommt. Liberace mit seinen fantasievollen Kostümierungen stand Pate für diesen Popstar, zu dem der antike persische Feldherr und König Xerxes bei den 42. Händelfestspielen in Karlsruhe wurde. Serse heißt er in Händels gleichnamiger Opernfassung, sicherlich eine der bekanntesten Opern des Barockkomponisten und in dieser Saison in einigen Theatern auf dem Spielplan. Da muss man schon mit einer spektakulären Produktion aufwarten. Die bietet Karlsruhe schon durch die Sänger, indem man zwei der besten Countertenöre verpflichtete: Franco Fagioli und Max Emanuel Cencic. Schon diese beiden sorgen für eine entsprechend...

Premierenkritik: Keith Warners „Elektra“ von Richard Strauss – Badisches Staatstheater Karlsruhe – 2019

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Blutrausch im Museum  – Keith Warners „Elektra“ von Richard Strauss am Badisches Staatstheater Karlsruhe –  von Klaus J. Loderer Als tiefenpsychologische Metapher gestaltet der britische Regisseur Keith Warner die Oper „Elektra“, die Anja Kühnhold  am Badischen Staatstheater Karlsruhe  einstudiert hat, und verlegt die Geschichte  in ein Museum. Bühnenbildner Boris Kudlička hat dafür einen riesigen modernen Ausstellungsraum entworfen mit zahlreichen Vitrinen und einer Treppe zu einer oberen Galerie. Besucher schauen sich eine Ausstellung über Mykene an. Oben erkennt man die angebliche Goldmaske Agamemnons. Eine Familie gerät in Streit. Schließlich werden alle Besucher von den Aufsehern hinausgebeten. Während die Museumswärter von einem knutschenden Liebespaar abgelenkt sind, schleicht sich eine schwarz gekleidete Frau wieder herein. Im dunklen Museum aktiviert sie die Videoprojektion, die ein Eigenleben zu entwickeln scheint (Video Bartek Macias). Säulen...

Opernkritik: Donizettis „Anna Bolena“ – Badisches Staatstheater Karlsruhe – 2018

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Gefangen in der Hofgesellschaft und den dicken Mauern des Königspalast  – Gaetano Donizettis Oper „Anna Bolena“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe –  von Klaus J. Loderer  Es sind vor allem Ewa Płonka und Nicholas Brownlee, die gesanglich in dieser Aufführung den Ton angeben. Es ist der Mezzosopran, der aufhorchen lässt. Die polnische Juilliard School-Absolventin Ewa Płonka findet als Giovanna Seymour, die historische Jane Seymour, die feinen Nuancen zwischen unschuldiger Jugendlichkeit und höfischer Grandezza, kann mädchenhaft zurückhaltend sein und dann wieder auftrumpfend. Und sie singt über das zeitweilig durchaus auftrumpfende Orchester. Ihre Stimme füllt mühelos den Saal. Der amerikanische Bariton Nicholas Brownlee gibt mit sicherer Stimme einen dominanten Henrico, den historischen König Heinrich VIII. In seinem frei nach historischen Vorbildern geschneiderten Kostüm von Moritz Junge hat Brownlee eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Heinrich VIII. der Ge...

Premierenkritik: „Alcina“ eröffnet 41. Internationale Händelfestspiele Karlsruhe – Badisches Staatstheater – 2018

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Alcina verzaubert alle  Jubelstürme bei der Premiere zu Händels Oper „Alcina“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe  – von Klaus J. Loderer – Sie verzaubert alle, diese „Alcina“. Zum Felsblock versteinert ist das Publikum im Badischen Staatstheater Karlsruhe und schaut gebannt auf die Bühne. Bis es am Ende zum tosenden Meer wird und mit Beifallsstürmen die Premiere feiert. Irgendwie ist die Produktion zauberhaft und nimmt gefangen. Doch wir werden nicht mit Bühnenprunk geblendet sondern mit Schlichtheit gefangen genommen und in eine sinnliche Welt entführt. Dabei hat sicherlich die Gestaltung des Lichts durch Macmoc Design einen maßgeblichen Anteil. Es strahlt manchmal sanft von hinten durch die einen dichten Wald bildenden, von der Decke hängenden Stoffschläuche, die den Durchgang zwischen den beiden Wänden, die den Spielraum einfassen, schließen und doch auf mystische Weise den Eingang zum Palast der Zauberin Alcina öffnen. Das Licht scheint zu Anfang warm a...

Eröffnung 41. Internationale Händelfestspiele Karlsruhe

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41. Internationale Händelfestspiele Karlsruhe Die 41. Internationalen Händelfestspiele 2018 wurden gestern (16. Februar) mit der Premiere der Oper „Alcina“ eröffnet. Bei einem Festakt vor der Premiere begrüßte Generalintendant Peter Spuhler die zahlreichen Gäste und Ehrengäste. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup freute sich über den guten Zuspruch der Händelfestspiele. Seine Gedanken zum Programm führte Operndirektor Michael Fichtenholz aus. An Opern stehen die neue Produktion von „Alcina“ und die vom letzten Jahr übernommene „Semele“ im Zentrum des Programms. Daneben gibt es einen Arienabend mit dem Countertenor Valer Sabadus, das Festkonzert der deutschen Händel-Solisten, drei Konzerte in der Reihe Abendsterne, das Preisträgerkonzert des Händel-Jugendpreises, das Galakonzert mit Franco Fagioli und zum Abschluss die 33. Internationale Händel-Akademie. kjl Generalintendant Peter Spuhler Foto: Klaus J. Loderer

Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ am Badischen Staatstheater Karlsruhe – 2014

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Wagner legt Beckmesser über’s Knie  Sogar mal witzig: Tobias Kratzer inszeniert Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ in Karlsruhe  von Matthias Woehl Gespannt war ich auf die Regie von Tobias Kratzer, von dem ich einen wirklich tollen „Tannhäuser“ in Bremen gesehen habe. Der Regieansatz war wirklich witzig, das Theater im Theater, auch mit netten Bildern von Festwiese, Andeutungen an Wieland Wagner Inszenierungen und auch modernem Regietheater. Spannend auch die Idee, aus der Eva mal eine kleine Schlampe zu machen, treibt sie doch ihr Verführungsspiel mit Beckmesser, Stolzing, Sachs und am Ende auch schon wieder mit einem neuen Lover. Sehr sensibel zeichnet Kratzer auch den unglücklich verliebten Sachs, der von Renatus Meszar nicht nur eindrucksvoll gespielt, sondern auch hervorragend gesungen wurde (was haben wir im dritten Akt schon Sachse verrecken hören). Lustig auch der Auftritt des Meisters Wagner, der den Beckmesser über’s Knie legt.  Nur: Im Bühnenbild vo...

Mussorgskys „Boris Godunow“ am Staatstheater Karlsruhe – 2015

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Herausragender Bass: Avtandil Kaspeli als Pimen  Mussorgskys „Boris Godunow“ am Staatstheater Karlsruhe  von Matthias Woehl Bei „Boris Godunow“ bevorzuge ja die überarbeitete Fassung mit dem „Polen-Akt“ gegenüber der inzwischen wieder oft gespielten Urfassung, aber man nimmt ja, was man bekommt! David Hermann beweist, dass auch stilisiert unglaublich ergreifend ein kann. Er zaubert wundervolle Bilder auf die Bühne, und Joachim Klein beleuchtet diese auf beeindruckende Weise. Das einzige, was ich nicht verstanden habe, warum in der Schänke die Personen auf einmal zu Comic-Figuren werden! Ansonsten hat man eine beeindruckende Inszenierung über den Aufstieg und Fall des Zaren Boris bebildert vor Augen. Allen voran der muss Konstantin Gorny als Boris erwähnt werden, denn er singt und gestaltet einen idealen Boris. Endlich mal ein Bass, der auch die leisen Töne zu singen und darzustellen versteht. Larissa Wäspy ist eine filigrane Xenia, und fast grandios (hätte sie ei...

Premierenkritik: Wagners „Die Walküre“ – Badisches Staatstheater Karlsruhe – 2016

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Brünnhilde schockgefrostet Premiere von Wagners „Die Walküre“ im Badischen Staatstheater Karlsruhe – von Matthias Woehl –  Genauso wie dereinst in Stuttgart wird der neue Ring in Karlsruhe ja von vier Regisseuren in Szene gesetzt. Für die Walküre wurde nun Regisseur Yval Sharon verpflichtet. Anders als David Herman im Rheingold benutzt Yval Sharon eine sehr sinnliche Bildsprache. Im ersten Akt sehen wir eine Reihe von Türen. Mit diesen und mit Projektionen (Schattenspielen) auf der Wand entsteht eine phantastische Szenerie um das Geschwisterpaar, das sich gegenseitig irgendwie anzieht, aber nicht versteht warum. Das hat einen unglaublich schönen Effekt. Peter Wedd (Siegmund), Katherine Broderick (Sieglinde) Foto:  Falk von Traubenberg Der Beginn des zweiten Aktes spielt auf einer Treppe, die wiederum schöne Momente beim Streit von Wotan und Fricka ermöglicht, und, zurück bei den Türen (zur Szene mit Brünnhilde, der Todverkündung, der Opferung von Si...

Premierenkritik: Mozarts „La clemenza di Tito“ – Badisches Staatstheater Karlsruhe – 2017

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Unisex Titus in schönstem Klang – Premiere von Mozarts „La clemenza di Tito“ im Badischen Staatstheater Karlsruhe –  von Matthias Woehl Gerade eine Woche vorher habe ich in Essen einen zum Einschlafen langweiligen „Titus“ gehört, aber Karlsruhe hat mir den Spaß an Mozarts letzter Oper wieder zurückgegeben. Schon als das Orchester (Musikalische Leitung Gianluca Capuano) erklang war klar, das wird ein aufregendes Opernereignis. Vom Kaisermarsch bis zu den leiseren Stellen erkling differenziert und temporeich, überhaupt nicht langweilige, sondern inspirierte Musik, die auf das äußerste unterhält und berührt. Dazu entwickelt Regisseur und Kostümbildner Patrich Kinmonth ein wirklich ansehnliches Bühnenspektakel. Titus in Karlsruhe: Dilara Baştar (Sesto), Renatus Meszar (Publio), Katherine Broderick (Vitellia), Kristina Stanek (Annio), Chor des Badischen Staatstheaters Foto: Gregory Batardon Untersucht man es im Detail, ist man manchmal verw...

Premierenkritik: Richard Wagners „Walküre“ – Staatstheater Karlsruhe – 2016

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Tiefgefrorene Brünnhilde  Premiere von Richard Wagners „Die Walküre“ in Karlsruhe  Nun ging es weiter mit dem Ring am Staatstheater Karlsruhe. Vier Inszenierungsteams erarbeiten den neuen Ring. Nun waren Yuval Sharon (Regie), Sebastian Hannak (Bühne) und Sarah Rolke (Kostüme) mit der Walküre dran. Doch zu Beginn des zweiten Aufzugs klafft die Flurwand plötzlich auseinander und gibt des Blick frei in die nächste Raumschicht, eine Treppe, die von links unten nach rechts oben verläuft. Eine goldene Wand bildet den rückwärtigen Abschluss. Auch von dieser Treppe sehen wir weder Anfang noch Ende. Manchmal rutscht die Treppe etwas nach oben, manchmal nach unten – auch sie so ein unendliches Raumelement, auf der Wotan (Renatus Meszar) und Fricka (Ewa Wolak) ihren Streit austragen. Auch sie Gefangene in ihrer Welt. Die höhere oder niedrigere Stellung auf der Treppe kann dabei durchaus als bessere oder schlechtere Machtbasis gewertet werden, entsprechend schnellen di...

Premierenkritik: Francesco Cileas „Adriana Lecouvreur“ – Badisches Staatstheater Karlsruhe – 2017

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Ks. Barbara Dobrzanska (Adriana Lecouvreur),  Rodrigo Porras Garulo (Maurizio) Foto: Falk von Traubenberg Theater in der Oper  Grandiose Premiere von Francesco Cileas „Adriana Lecouvreur“ im Badischen Staatstheater Karlsruhe  Ach sie ist einfach einer meiner liebsten Verismo-Schmacht-Fetzen überhaupt – Adriana Lecroucreur. Zum einen mag ich diese Theater-im-Theater Stücke (wie auch „Ariadne auf Naxos“ oder „Viva la Mamma“) sehr gerne, und dann ist es ja auch eines der tollsten Eifersuchts-Dramen mit der irren Keif-Szene zwischen den Damen. Regisseurin Katharina Thoma liefert eine äußerst ansehnliche Inszenierung ab. Im ersten Akt wechselt mit geschickt eingesetzter Drehbühne das Bild zwischen Bühne und Seitenbühne, und sie verziert das Geschehen mit netten Einfällen. Da wird z.B. das Protagonistenpaar beim Duett zur Ruhe aufgefordert, um die Vorstellung nicht zu stören, oder der Fürst von einer Schließerin verfolgt, um die Theaterkarte zu kontrollieren...